Australien macht einen Bogen um Treibhausgase

13. November 2014, 12:00
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Premier Abbott will das Thema Klimaschutz beim Treffen in Brisbane ignorieren

Beim bevorstehenden Gipfel der G-20-Staaten in Brisbane droht ein Eklat zwischen Ländern, die gegen den Klimawandel vorgehen wollen, und dem wirtschaftlich von Kohleexporten abhängigen Gastland Australien. Der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern, ein Klimawandel-Experte, warnte die Regierung Australiens davor, wissenschaftliche Beweise für die aus der Erwärmung der Erdatmosphäre entstandene Bedrohung "wegzuwünschen".

Der neueste Bericht des Weltklimarats IPCC zeige, dass sofortiges Handeln der Politiker zwingend sei. "Die Realität des Klimawandels ist nicht mehr zu leugnen", sagte der Professor des britischen Grantham Research Institute on Climate Change. Der Bericht sollte "enormen Druck auf Australien ausüben, Klimawandel beim kommenden G-20-Gipfel zu einem wichtigen Gesprächsthema zu machen, statt es an den Rand zu drücken", so Stern.

Kritik an Abbott

Australien hält den Vorsitz der G-20, des Verbunds der 20 mächtigsten Länder. Australiens Premier Tony Abbott, ein erklärter Klimawandelskeptiker, hat im Vorfeld klargemacht, Klimawandel werde bei der Konferenz keinen Platz haben. Die Entscheidung wurde in den vergangenen Wochen von Regierungschefs mehrerer Länder direkt oder indirekt kritisiert.

Emissionen halbieren

Der IPPC-Bericht zeigt auf, dass die globalen Klimagas-Emissionen bis 2050 gegenüber dem Stand von 2010 halbiert werden müssen. Nur so könne das Ziel einer Erhöhung der durchschnittlichen Temperaturen unter zwei Grad erreicht werden. Die Verbrennung fossiler Rohstoffe und der damit verbundene CO2-Ausstoß werden maßgeblich dafür verantwortlich gemacht, dass die globalen Temperaturen seit Beginn der Industrialisierung gestiegen sind. Eine dramatische Senkung des Verbrauchs fossiler Stoffe wie Kohle wird von Wissenschaftern als entscheidende Maßnahme zur Schwächung des Erwärmungstrends empfohlen.

Australien kohleabhängig

Australien generiert nicht nur 80 Prozent des Stroms mit Kohle, das Land ist größter Exporteur des Brennstoffs. Ein großer Teil des Rohstoffs geht nach Asien. Kohleexporte tragen maßgeblich zum Exporteinkommen des Landes bei. Die Wirtschaft in mehreren Gebieten Australiens ist fast zu 100 Prozent vom Kohleabbau abhängig. Premier Abbott hat vor kurzem bekräftigt, Kohle werde nach wie vor eine große Rolle spielen. "Kohle ist gut für die Menschheit", meinte er während der Eröffnung einer neuen Mine, da mit Kohle generierter "billiger Strom" Millionen von Menschen aus der Armut hole. (Urs Wälterlin, DER STANDARD, 13.11.2014)

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