"Dragon Age: Inquisition": Rollenspiel-Epos verzaubert die Tester

Presseschau13. November 2014, 10:29
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Kritiker loben große lebendige Welt, vielfältige Charaktere und zahllose Quests

Mit "Dragon Age" erschuf Bioware 2009 eine neue Fantasy-Welt und eroberte die Herzen vieler Rollenspielfreunde. Einen Teil der gewonnenen Fans vergrämte man mit dem etwas lieblos geratenen Nachfolger. "Gut Ding braucht Weile" war nun die Devise für Teil 3 des Abenteuers, das den Untertitel "Inquisition" trägt. Einen ersten Hinweis auf das Spiel gab man bereits im Mai 2011, offiziell enthüllte man es im September des Folgejahres.

Nach gut drei Jahren Entwicklung startet der Titel nun am 21. November in Europa in den Handel. Doch schon jetzt konnten zahlreiche Games-Medien eine neue Reise auf den Kontinent Thedas wagen – und sind begeistert zurückgekehrt.

Ein Held fällt vom Himmel

Die Handlung des Spieles, das einen völlig neuen Protagonisten einsetzt, beginnt unüblich. Man stürzt aus einem Spalt im Himmel zur Erde. Beobachter wollen auch den Fall einer Frau bezeugen können, schnell wird vermutet, dass es sich um die Prophetin Andraste handeln könnte, deren Lehren die Grundlage der allgegenwärtigen Religion rund um den "Maker" ("Erschaffer") bilden.

Der Held selbst erinnert sich nicht an seine irdische Ankunft, muss sich aber die Frage gefallen lassen, ob er nicht die Fleischwerdung einer göttlichen Gestalt sei. Weltliche Konflikte folgen dem alten "Dragon Age"-Muster. Die Feindschaft zwischen Zauberern und Templern tobt wie eh und je, politische Intrigenspiele feiern Hochsaison und die Grey Warden beschäftigen sich nach wie vor mit dem Kampf gegen übernatürliche Mächte und deren finstere Kreaturen.

Inmitten des Chaos gründet sich die Inquisition, zu deren Anführer der eigene Avatar erkoren wird. Ob man einen menschlichen Haudrauf, eine elfische Magierin spielt oder einen ganz anderen Stil pflegt, obliegt dem Spieler. Erstmal darf man im Rahmen der vielfältigen Charaktererstellung auch die Rasse der Qunari wählen.

Charaktersache

Eine Reihe verschiedener Computer-Kompagnons stehen im Laufe des Spiels als Begleiter bereit. Diese sind oft erfrischend klischeebefreit und verfügen über unterschiedliche und glaubhaft umgesetzte Charakterzüge, wie Kevin VanOrd bei Gamespot ausdrücklich lobt. Die Bandbreite reicht von einer ambitionierten Glaubenskämpferin, bis hin zum ehrlich-direkten, aber allgemein entspannten Qunari-Krieger. Drei der KI-Kollegen stehen dabei maximal gleichzeitig zur Verfügung, üblicherweise stürzt man sich also mit einem selbst zusammengestellten Quartett in die Quests.

Die Unterschiedlichkeit der Abenteuercrew-Mitglieder wirkt sich auf verschiedenen Ebenen aus. Sie unterstützen Entscheidungen des Spielers in Schlüsselszenen, oder lehnen sie ab. Wird das Verhältnis angespannt, lassen sie es sich anmerken. Auch untereinander finden Konversationen statt, von nachdenklichen Gesprächen bis hin zu unterhaltsamen Konfrontationen.

ea - electronic arts (deutsch)

Die Beziehungen wirken sich mitunter auch dann aus, wenn es in "Dragon Age: Inquisition" zur Sache geht. Dann zählen allerdings auch die kämpferischen Fertigkeiten der Abenteurer. Wie so oft in Rollenspielen, ist der Spieler stets auf der Suche nach der optimalen Mischung, um Herausforderungen zu meistern.

Kämpfe mit taktischen Mängeln

Das Kampfsystem überlässt dem Spieler viel Freiraum. Auseinandersetzungen können jederzeit pausiert werden, um den eigenen Recken neue Anweisungen zu geben. Wer mag, kann auch bedingungsabhängige Verhaltensroutinen vorab definieren. Im Großen und Ganzen hat Bioware in "Inquisition" das bestehende System übernommen, aber seine Beherrschung erleichtert. In engen Ecken oder sehr weitläufigen Arealen erweist sich die Bedienung der Kamera nach Beobachtung von Maxwell McGee bei Games Radar immer noch als störrisch.

Die durchschnittliche Schlacht erweist sich aber ohnehin nur sehr selten als taktische Angelegenheit, wenn der Spieler die Mechaniken einmal verinnerlicht hat. Wer hier konstant gefordert werden will, muss den Schwierigkeitsgrad auf "schwer" stellen. Eine Herausforderung bleiben jedoch die meisten Zwischengegner und im Besonderen die titelgebenden Drachen.

Inqusitionsmanager

Doch die Welt, die auf das Erscheinungsbild und die Handlungen des Spielers reagiert, wird nicht nur durch das Faustrecht geprägt. Es sind vor allem Dialoge, die die Handlung fortspinnen und dem Spieler auch Kontrolle über seine eigene charakterliche Entwicklung geben. Auch seine Entscheidungen hinterlassen Eindruck und wirken sich auf das Beziehungsgeflecht der zwei besuchbaren Reiche – Ferelden und Orlais – erstreckt.

Erstmals in der Serie hat der Spieler dabei auch politisch merkbare Einflusskraft und entsprechende Entscheidungen zu fällen. Von der Inquisition gefangene Anführer von Gegnern werden dem Alter Ego für die Verkündung einer Strafe vorgeführt. Geklärt werden auch Fragen in größeren Kontext.

Umstritten, aber beliebt

Die Rolle der Inquisition wird dabei stets als kontrovers verkauft. Ein Image, das mit der Darstellung im Spiel aber mitunter nicht mithält, was eine der wenigen erzählerischen Schwächen von "Dragon Age: Inquisition" darstellt. Obwohl ihr von vielen Seiten angeblich Misstrauen entgegenschlägt, sind Mitglieder beinahe aller Fraktionen stets erfreut über Bekanntschaft mit dem Spieler und liebäugeln mit einem Beitritt. Dazu fehlt es auch bei drastischen Entscheidungen mitunter an langfristigen, spürbaren Konsequenzen, die über den aktuellen Bereich der Handlung hinausreichen, so die Beschwerde bei Eurogamer.

Als Anführer einer Organisation wird dem Spieler ein zusätzliches Feld an Aufgaben eröffnet. Von der eigenen Festung aus, gilt es eigene Mitglieder zufrieden zu stellen und Operationen zu planen. Verbündete können beauftragt werden, Dinge zu erledigen, wobei sich vorgeben lässt, wie diplomatisch oder aggressiv sie agieren sollen. Im besten Falle sind sie erfolgreich, was dem Spieler Ressourcen und steigenden Einfluss beschert. Gamespot bezeichnet dies als Antwort auf ein ähnliches System in "Assassins Creed: Brotherhood". Das eigentliche "Abenteuern" kommt dabei zwischendurch schon mal kurz.

Questen, Questen, Questen

Ist man dann aber wieder selbst unterwegs, zieht einen die lebendig gestaltete und grafisch wie akustisch ordentlich inszenierte Welt schnell wieder in ihren Bann. Die Handlung verlockt stets zum Weiterspielen, zumal das Spiel, basierend auf den eigenen Entscheidungen, mehrere mögliche Enden mit zusätzlichen Nuancen anbietet. Dazu laden zahlreiche Nebenquests und ihre kleinen Geschichten ein, Areale der Spielwelt zu erforschen, die die Haupthandlung nicht berührt.

Eine interessante Abwechslung bringt der Multiplayer-Modus mit. Er erinnert an jenen von "Mass Effect 3" und lässt den Spieler gemeinsam mit Freunden als Frauen und Männer fürs Grobe die Aufträge eines Inquisitors erledigen. Allerdings erweist sich das Steuern einer einzelnen Spielfigur in Kombination mit dem Wandern vom einen zum nächsten Gegner-Mob als langfristig etwas eintönig.

Welt voll Leben

"Dragon Age: Inquisition" ist kein perfektes Spiel, doch seine Fehler sind gemessen an seinem schieren Umfang klein. Es bringt die wichtigsten Qualitäten des ersten Teils zurück, obwohl es grundsätzlich anders aufgebaut ist. Auch gelungene Elemente des umstrittenen "Dragon Age 2" werden ausgebaut.

Das Spiel lebt stark von seiner Lebendigkeit und den vielfältigen Charakteren, die man im Laufe von der Grundhandlung und den vielen Stunden an Nebenaufträgen trifft. Sie sind es, die den Spieler immer wieder zurück nach Thedas locken, um sich in neue Abenteuer zu stürzen. (gpi, derStandard.at, 12.11.2014)

  • "Dragon Age: Inquisition" erscheint für Windows, XBO, X360, PS4 und PS3.
    screenshot: dragons age: inquisition

    "Dragon Age: Inquisition" erscheint für Windows, XBO, X360, PS4 und PS3.

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