Jack White in Wien: Slowfox mit Pfeffer im Schritt

12. November 2014, 14:43
159 Postings

Der US-Amerikaner zerlegte als Solokünstler im Gasometer lautstark seine Lieder. Leider

Wien – Eh brav, wie er da mit der Elvis-Presley-Nummer "The Power of My Love" das Konzert eröffnet. Dass er historisch firm ist, hat Jack White oft bewiesen, seine ganze Karriere durchzieht der Blues, der frühe Rock-'n'-Roll und was der Punk daraus machte. Als eine Hälfte der White Stripes mitverantwortete er die Rock-'n'-Roll-Renaissance der Nullerjahre und schrieb dieser Generation mit "Seven Nation Army" sogar deren eigenes "Smoke on the Water".

Das gilt alles, doch es macht nicht wett, dass der US-Amerikaner sich als Solokünstler ein bisserl verrennt. Seine Liebe zu historischem Aufnahmeklumpert ist kein Garant für tolle Musik, wie das trotz beglaubigter Gütesiegel gefühllose Album "Lazaretto" zeigt.

Dieses war nun der Anlass eines Auftritts des 39-Jährigen im Wiener Gasometer am Dienstagabend, volle Hütte, logisch.

Sabotage am eigenen Werk

Und dann eben gleich den König zitieren. Doch der hätte wahrscheinlich zweimal hinhören müssen, um das Lied zu erkennen, denn White deutet seine Aufgabe aktuell als rabiat-destruktiver Saboteur des eigenen Werks. Das ergibt live eine anstrengende und vor allem seitens der Akteure angestrengte Show, in der White zwischen seinen fünf Begleitmusikern den hektischen Cpt. Kirk gibt. Sogar sein die Herrenbrüste betonendes Shirt erinnert an den Chef der Enterprise.

Musikalisch kreuzt das Schiff also in Richtung Zerlegung, alles hektisch, alles zugleich. Der Trommler fährt pro Lied mindestens einmal aus dem Sitz, das Ganze hat etwas von Bluthochdruckgymnastik mit Instrumentenerschwernis. Das wäre wurscht, zeitigten die musikalischen Ergebnisse dieses Aufwands mehr als bloß das Vortäuschen beständiger Explosionskraft. Diese steckt den Saal zwar trotzdem an, locker, Kleinigkeiten wie die Wiedererkennbarkeit von Songs bleiben aber mehr als einmal auf der Strecke.

Richtig übel wird dieser Ansatz bei den Countrysongs, die eigentlich ein wenig Ruhe bräuchten, Zeit zu wirken. Nicht mit White. Den juckt der Pfeffer im Arsch, und da schmerzt so ein eng reibender Slowfox ganz besonders. Also schnell das Lied mit einem Riff zerstört und ins nächste gestürzt.

Das ergibt einen freien Jazz mit Stromgitarre, White als den Vater einer neuen Seuche, der Ebola des Rock: des Rockjazz. (Karl Fluch, DER STANDARD, 13.11.2014)

  • Jack White macht im Gasometer gerade eines seiner Lieder kaputt. Lustig? Nö.
    foto: david james swanson

    Jack White macht im Gasometer gerade eines seiner Lieder kaputt. Lustig? Nö.

Share if you care.