Kuschelhormon gegen Angst

12. November 2014, 12:31
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Oxytocin spielt bei der Bindung zwischen Mutter und Neugeborenen eine Hauptrolle - es könnte auch bei Angsterkrankungen helfen

Das als Kuschelhormon bekannte Oxytocin kann einer Studie zufolge auch bei der Bewältigung von Ängsten helfen. Ein Team unter Federführung des Bonner Universitätsklinikums in Deutschland fand heraus, dass Oxytocin das Furchtzentrum im Gehirn hemmt und Angstreize stärker abklingen lässt.

Nach Ansicht der Forscher könnte dieses Ergebnis vielleicht eine neue Ära in der Behandlung von Angststörungen durch im Gedächtnis eingegrabene schlechte Erfahrungen einleiten. Das müssten aber erst klinische Studien zeigen.

Große Angst, verursacht etwa durch einen Autounfall, setzt sich tief im Gedächtnis fest. Sie sorgt für eine sogenannte Konditionierung, bei der bestimmte Bilder oder Geräusche - wie etwa quietschende Reifen - mit Gefahr verbunden werden. Werden Menschen mit solchen Angststörungen immer wieder mit dem Auslöser konfrontiert, verringert sich nach Angaben der Experten die Furcht allmählich.

Botenstoff gegen Furcht

Das Kuschel- oder Bindungshormon Oxytocin, das bei Sexpartnern oder in der Mutter-Kind-Beziehung die Bindung fördert, hilft nach den Forschungsergebnissen, aus solchen Ängsten rascher herauszukommen und sie im Gedächtnis zu "überschreiben". "Unter dem Einfluss von Oxytocin klingt die Erwartung eines erneuten Angstereignisses im Verlauf stärker ab als ohne diesen Botenstoff", erklärte Studienleiter Rene Hurlemann am Mittwoch in Bonn.

Für ihre Studie hatten die Wissenschafter insgesamt 62 Männern Bilder gezeigt, die mit einer Angsterfahrung verknüpft waren. Die eine Hälfte der Testgruppe bekam über ein Nasenspray Oxytocin, die andere Hälfte ein Placebo. Die Forscher maßen den Angstschweiß der Probanden und werteten Hirnscans aus. Sie veröffentlichten ihre Studie im Fachjournal "Biological Psychiatry".

Die Liste der Wirkungen, die dem Hormon Oxytocin zugeschrieben werden, ist lang: Es soll zum Beispiel freundlich und monogam machen, aber auch unachtsam und vertrauensselig. Psychologen der Universität Haifa fanden zum Beispiel heraus, dass Oxytocin bei Menschen Gefühle wie Schadenfreude und Neid verstärken kann. "Einige Studien sind methodisch fragwürdig", sagt der Freiburger Psychologe Markus Heinrichs, ein Pionier der Oxytocin-Forschung am Menschen. (APA, derStandard.at, 12.11.2014)

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