RH: ÖBB kaufte Schrott-Loks um Millionen

12. November 2014, 11:44
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Die Prüfer zerpflücken einen millionenschweren Fehlkauf

Wien - Der Rechnungshof (RH) kritisiert die ÖBB für einen millionenschweren Fehlkauf. In den Jahren 1993/1994 kaufte die ÖBB laut Rechnungshof 18 Loks (Triebfahrzeuge der Baureihe 1014) zu einem Stückpreis von 3,97 Millionen Euro. In den Jahren 2008 bis 2010, also 15 Jahre später, wurden die Triebfahrzeuge auf einen Schrottwert von 15.000 Euro pro Stück abgeschrieben. Die 2010 begonnenen Versuche, die Loks zu verkaufen, blieben erfolglos, geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten RH-Bericht hervor.

Eigentlich hätten die von Elin und SGP (mittlerweile Siemens) gebauten Loks auf 30 Jahre abgeschrieben werden sollen, 2009 wurden sie aber vorzeitig stillgelegt. Die permanenten Mängel - eine Lok brannte 2001 völlig aus - hätten den Betrieb unrentabel gemacht, so der RH. Zwischen 2005 und 2013 brockten die Loks der ÖBB einen Verlust von 24,5 Millionen Euro ein.

Zu teuer eingekauft

Der Rechnungshof kritisiert auch den Kaufpreis: Die Anschaffungskosten der Lokreihe 1014 seien im Vergleich zur Lokreihe 1116 um 23,4 Millionen Euro höher gewesen, obwohl die 1014er auf einer älteren Technik beruhten und eine geringere Leistungen erbrachten. Auch die Reparaturkosten waren deutlich höher.

Für die erfolglosen Verkaufsversuche sehen die RH-Prüfer die ÖBB-Produktion GmbH in der Verantwortung. Die Geschäftsführung habe den Kaufpreis im Februar 2009 auf rund 15 Millionen Euro geschätzt. Durch eine Bewertung von Fachexperten hätte ein realistischerer Verkaufspreis festgelegt werden können, ist der RH überzeugt, das hätte auch die Verkaufschancen erhöht. Darüber hinaus habe die ÖBB-Produktion GmbH seit 2006 bei der Lokreihe 1014 kein Teilausbesserungen mehr durchführen lassen. "Dadurch konnten einzelne Triebfahrzeuge nicht mehr eingesetzt werden. Das minderte die Verkaufschancen", so die Prüfer.

"Der Verkaufsprozess war nicht strukturiert und unsystematisch", lautet eine weitere Kritik. Für die RH-Prüfer unverständlich ist auch, dass der Verkauf nicht direkt nach dem Stilllegen der Flotte erfolgte. Damals sei der Gesamtzustand der Triebfahrzeuge noch besser gewesen als nach jahrelangem Stillstand.

Laut Rechnungshof versuchte die ÖBB-Produktion zwei Jahre lang - entgegen den Bestimmungen der entsprechenden Konzernrichtlinie -, die Loks ohne Einbindung des strategischen Konzerneinkaufs zu verkaufen, zuletzt 2011 an die ungarische ÖBB-Tochter Rail Cargo Hungaria. (APA/red, derStandard.at, 12.11.2014)

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