Salzburger Untersberg gibt Skelett frei

12. November 2014, 16:00
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Toter lag nach Schätzungen des Finders 70 bis 80 Jahre im Berg

Salzburg - Die Bergung des menschlichen Skeletts, das vor gut zwei Wochen in einer Höhle im Salzburger Untersberg entdeckt worden war, ist am Mittwoch in den Mittagsstunden abgeschlossen worden. Die Überreste wurden vom Berg geflogen und anschließend in die Gerichtsmedizin gefahren, wo nun eine Obduktion durchgeführt wird. Der Tote lag offenkundig mehrere Jahrzehnte im Berg.

Vor gut zwei Wochen hatte der Geologe und Höhlenforscher Georg Zagler aus Salzburg bei der ersten "Befahrung" - so der Fachjargon - der vor etwa fünf Jahren entdeckten Höhle Knochen gefunden. Die ersten Skelettteile lagen in rund 150 Metern Tiefe.

Zunächst für Tierknochen gehalten

Anfangs habe man diese für Tierknochen gehalten, doch dann seien auch zwei Schuhe, Teile eines Skis und eines Stockes aufgetaucht, sagte Zagler nach der Bergung. "Es war ein genagelter Lederschuh mit dicken Eisenzacken." Nach Schätzungen des Geologen dürften die Schuhe etwa 70 bis 80 Jahre alt sein. Der Ski war mit einer Riemenbindung ausgestattet, sagte Polizeisprecher Ortwin Lamprecht.

Der Höhlenforscher vermutet, dass der Tourengeher in das Loch gefallen und rund 50 Meter tief abgestürzt ist. Dort befindet sich eine Engstelle, wo er vermutlich zu liegen kam. "Die Höhle hat oben eine leichte Schräglage, sodass es ihn vermutlich mehrmals überschlagen hat. Es ist anzunehmen, dass er auf der Stelle tot war", so Zagler.

Nicht alle Knochenteile gefunden

In der Folge dürfte der Tote verwest sein. Schmelz- und Regenwasser hat dann offenbar einzelne Teile immer weiter in die Tiefe gerissen. Knochen wurden nun bis in einer Tiefe von 270 bis 300 Meter gefunden, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Manfred Schwaiger, der gemeinsam mit Zagler und zwei weiteren Höhlenrettern an der Bergung beteiligt war. Sicher seien aber nicht alle Knochenteile gefunden worden.

Der Höhlenunfall-Erhebungsbeamte der Polizei dokumentierte jede Fundstelle in der Höhle und trug sie in einem Plan ein. Anschließend wurden die Skelettteile eingesammelt und nach oben gebracht. Die Aktion dauerte laut Schwaiger rund zwölf Stunden, um 22.00 Uhr erreichte das Team wieder den Ausstieg.

Die Fundstücke ließen sie über Nacht beim Eingang zurück. Die vier Einsatzkräfte gingen anschließend zur Schweigmühlalm weiter, wo sie in der Hütte der Bergrettung übernachten und sich von den Strapazen des Tages erholen konnten. Heute Vormittag transportierten sie schließlich den Leichensack zur Alm, von wo aus ihn der Hubschrauber trotz des starken Föhns abholte und nach Glanegg bei Grödig flog.

Obduktion angeordnet

Laut Lamprecht hat die Staatsanwaltschaft die Obduktion der Überreste angeordnet. Daher wurden diese in die Gerichtsmedizin gebracht. Seinen Angaben zufolge sei es aber fraglich, ob man die Leiche überhaupt noch identifizieren kann. Denn sollte der Tote wirklich schon so lange in der Höhle gelegen sein, dann gebe es aus dieser Zeit kein DNA-Material zum Abgleich. Die Polizei werde die Vermisstenanzeigen aus der infrage kommenden Zeit überprüfen. Aber auch das sei schwierig, weil der Skiläufer auch aus dem Ausland gewesen sein könnte.

Der Fund des Skeletts passierte laut Zagler zufällig. Vor rund fünf Jahren habe er auf dem Plateau des Untersbergs nach bisher unbekannten Höhlen gesucht, um mehr über den Wasserhaushalt des Berges - seine Quellen versorgen die Stadt Salzburg - zu erfahren. Dabei habe er rund 60 Stellen gefunden, wobei bei den meisten unklar ist, ob sie überhaupt "befahren" werden können. Vor zwei Wochen habe er dann gemeinsam mit einem Forscherteam rein zufällig diese Höhle genauer untersucht und dabei die Entdeckung gemacht. (APA, 12.11.2014)

  • Blick auf den Salzburger Untersberg.
    foto: reuters/rehle

    Blick auf den Salzburger Untersberg.

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