ÖVP demontiert Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel

11. November 2014, 22:24
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Der Bezirksobmann Markus Figl wurde Dienstagabend zum Spitzenkandidaten für die Bezirksvertretungswahl 2015 gewählt

Wien - Die Ära von Ursula Stenzel als Vorsteherin des 1. Wiener Gemeindebezirks ist Dienstagabend eher unrühmlich zu Ende gegangen. Beim Bezirksparteivorstand der ÖVP Innere Stadt wurde nicht die 69-Jährige einstimmig zur Spitzenkandidatin für die Wahl 2015 gekürt, sondern ihr 41-jähriger Kontrahent Markus Figl, Bezirksobmann der Partei.

Die Besonderheit: Stenzel war bei ihrer Ablöse nicht einmal persönlich anwesend. Erst in der Vorwoche hatte die ehemalige ORF-Journalistin und EU-Abgeordnete in einem Interview mit der "Kronen Zeitung" noch mit einem neueren Antreten geliebäugelt. Warum sie nicht mehr kandidierte, blieb vorerst offen, weder Stenzel noch ihre Sprecherin waren Dienstagabend erreichbar.

Figl wurde in einer ÖVP-Aussendung jedenfalls mit den Worten zitiert: "Es ist mir aber auch ein Anliegen, Ursula Stenzel zu danken. Ihre Erfolge sind unbestritten, sie hat in der Inneren Stadt Großartiges vorangebracht. Ich wünsche ihr weiterhin alles Gute."

Vertrauter von Kurz und Spindelegger

Was doch etwas überrascht, denn dem Vernehmen nach soll das Verhältnis zwischen Stenzel und ihm zumindest angespannt sein. Die Vorgeschichte: Figl, Großneffe von Bundeskanzler Leopold Figl, soll seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Jungen ÖVP in Wien beste Verbindungen zu Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) haben.

Laut Insidern hat es damals schon Überlegungen gegeben, Stenzel zu ersetzen, der Plan ließ sich aber nicht umsetzen. Im Gegenteil: Im April 2010 wurde Figl seinen Job als Stenzels Stellvertreter in der Bezirksvorstehung los. In jüngster Zeit soll das Verhältnis zwischen Stenzel und Figl zusehends angespannter geworden sein.

Juraczka lobt "Generationswechsel"

Ob sich der von Stadtparteiobmann Manfred Juracka als "Generationswechsel" gefeierte Schritt wahlmäßig rechnet, muss sich erst zeigen. Die Latte für Figl, zuletzt enger Mitarbeiter des zurückgetretenen Vizekanzlers Michael Spindelegger (ÖVP), liegt hoch. Bei ihrem ersten Antreten im Jahr 2005 erreichte Ursula Stenzel ein Stimmenplus von 10,21 auf 43,32 Prozent. Fünf Jahre später verlor sie zwar 5,37 Prozentpunkte wieder - dieser Verlust reichte dennoch für einen knappen Sieg vor der SPÖ. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 12.11.2014)

  • Die Tage von Ursula Stenzels Herrschaft in der Inneren Stadt sind am Dienstag erstaunlich abrupt zu Ende gegangen.
    foto: heribert corn

    Die Tage von Ursula Stenzels Herrschaft in der Inneren Stadt sind am Dienstag erstaunlich abrupt zu Ende gegangen.

  • Markus Figl will für die ÖVP Chef der City werden.
    foto: övp innere stadt

    Markus Figl will für die ÖVP Chef der City werden.

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