Dulal d'Costa, der Mann, der 18 Jahre auf Asyl wartete

Kopf des Tages11. November 2014, 18:47
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Bleiberecht beendet die jahrelange Aufenthaltsunsicherheit des Flüchtlings aus Bangladesch. In Österreich (über)lebte er bisher als Zeitungsverkäufer

Achtzehn Jahre Aufenthaltsunsicherheit - was macht das mit einem Menschen? Das vergattert ihn zu einer halbfertigen Existenz, auch wenn er sich nach Kräften um Normalität bemüht: Dulal d'Costa war 20 Jahre alt, als er aus seiner Heimat Bangladesch nach Europa floh: Als Mitglied der Studentenorganisation der konservativen, antikommunistischen Bangladesh Nationalist Party (BNP) sah er sich massiven Drohungen ausgesetzt.

Jetzt ist er 38 - und erstmals seit seiner Ankunft in Österreich die Drohung los, das Land vielleicht bald wieder verlassen zu müssen. Nach 18 Jahren als Asylwerber wurde ihm dieser Tage eine "Aufenthaltskarte plus" verliehen. Diese gilt vorerst für ein Jahr - mit der Aussicht auf weitere Verlängerung.

In der Warteschleife

18 Jahre in der Warteschleife sind selbst unter Asyl-Altfällen in Österreich ein Rekord. Dazu geführt hat eine Aneinanderreihung von Verschleppungen und Pannen: Der 1996 gestellte Asylantrag wurde noch im gleichen Jahr abgelehnt. Doch danach dauerte es drei Jahre bis zur nächsten Entscheidung - und nach dieser, sowie einer neuerlichen Berufung, sieben Jahre bis zu einer weiteren.

Dabei unterlief dem Richter ein Fehler: Er kopierte Teile eines anderen Akts ins Schriftstück. Die Folge: Erst 2010 kam die Sache zurück zum Asylgerichtshof, der sich wieder bis heuer Zeit ließ.

Asylantrag zurückgezogen

Um sich weiteres Warten zu ersparen, zog d'Costa daraufhin seinen Asylantrag zurück. Mit dem nun gewährten Bleiberecht geht für ihn Reisefreiheit einher: Als Erstes wolle er sich andere Länder in Europa anschauen, sagt er.

Auch einen Job kann sich der Bangladescher nun ganz offiziell suchen, denn mit der "Aufenthaltskarte plus" hat er Zugang zum Arbeitsmarkt. Obwohl, gearbeitet hat er ohnehin fast immer in den vergangenen 18 Jahren: als Zeitungsverkäufer, denn dieser Job gilt in Österreich als selbstständige Tätigkeit - und eine solche kann Asylwerbern trotz herrschenden Arbeitsverbot-Erlasses des Sozialministers nicht untersagt werden.

Geschäftspläne

Die Zeitungen verkauft der Mann, der in seiner Heimat Highschool und College absolvierte, seit zwölf Jahren im Speisesaal des Wiener Pensionistenhauses Brigittenau. Hier breitet er täglich, auf einem Tischchen, Lesestoff für die Senioren aus. Damit wolle er auch jetzt nicht aufhören, sagt er - und denkt dennoch an eine Verbesserung: "Ich würde gern ein Geschäft eröffnen. Aber ich weiß überhaupt nicht, wie das geht. (Irene Brickner, DER STANDARD, 12.11.2014)

  • Will nun durch Europa reisen: Dulal d'Costa.
    foto: julia fuchs

    Will nun durch Europa reisen: Dulal d'Costa.

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