Fremdwährungskredite: Orbán schont Banken

11. November 2014, 18:03
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Devisenkredite sollen zu Marktpreisen getauscht werden

Wien/Budapest - Es war ein langer, zum Teil hart geführter Konflikt: Seit dem Amtsantritt des rechtskonservativen Premiers Viktor Orbán im Jahr 2010 haben sich die Regierung in Budapest und die im Land tätigen Banken nichts geschenkt. Doch nun bahnt sich eine nachhaltige Entspannung an. Die Fidesz-Regierung ist nämlich überraschend auf die Kreditinstitute zugegangen.

Das Wirtschaftsministerium in Budapest arbeitet seit Monaten an einem Gesetz, um die Fremdwährungskredite im Land abzubauen. In den Medien wurde eifrig darüber spekuliert, dass die Regierung Bankkunden, die sich in Franken und Euro verschuldet haben, einen Umtausch zu einem günstigen Kurs anbieten wird. Für die Finanzindustrie wären damit erneut Milliardenkosten verbunden gewesen.

Erleichterung

Dem ist offenbar nicht so: Die Fidesz wird mit Hypotheken besicherte Fremdwährungskredite umwandeln, allerdings zu Marktpreisen. Ein Euro wird für 309 Forint getauscht, ein Schweizer Franken für 256,5 Forint. Das entsprechende Gesetz soll am Freitag beschlossen werden, im kommenden Jahr beginnt dann die Konvertierung. Dabei dürften die Kunden keine Wahl haben - alle, die über keine nennenswerten Einkünfte in Devisen verfügen, müssen auf Forint wechseln.

Bei den Kreditinstituten herrscht eine gewisse Erleichterung. Bei der Raiffeisen Bank International, einem der großen Player in Ungarn, hieß es etwa am Dienstag, dass durch die Konvertierung keine neuen Kosten entstehen werden. Ähnliche Auskunft gibt auch die Erste Bank: Bereits im Juli, als die Banken per Gesetz verpflichtet wurden, nachträgliche Gebühren und Zinserhöhungen an ihre Kunden zurückzuzahlen, habe man bilanziell vorgesorgt. Der Umtausch wird diese Kosten von 360 Mio. nicht weiter erhöhen.

Risiko verschwindet

Aus Sicht der Bürger - es gibt rund 700.000 Fremdwährungskredite im Land - ist der Deal wegen des Wertverfalls beim Forint schlecht. Der Forint hat seit 2007 rund 60 Prozent an Wert gegenüber dem Franken verloren, ein Umtausch ist für Kunden also recht teuer. Warum also nun die Konvertierung zu Marktpreisen?

Dafür gibt es in Budapest mehrere Erklärungsversuche. Ein Argument ist, dass die Regierung den Schuldnern schon mehrmals unter die Arme gegriffen hat und die Banken eine höhere Last nur schwer verkraftet hätten. Zudem dürfte die Regierung im Gesetzesvorschlag Kunden noch entgegenkommen. Analysten erwarten etwa eine Begrenzung der Zinshöhe bei den neuen Forintdarlehen. "Auf lange Sicht ist der Wirtschaft natürlich geholfen, weil das Währungsrisiko verschwindet", sagt Gergely Palffy, Analyst beim Budapester Finanzdienstleister Buda-Cash. (András Szigetvari, DER STANDARD, 12.11.2014)

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