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Hier wird die Nacht zum Tag

17. November 2014, 08:47

Würstelstandbesitzer Karl Schar erzählt, wie es vom fahrbaren "Nachtwürstelstand" zum fixen Stand bei der U-Bahn-Station Westbahnhof kam und warum die Käsekrainer einfach jeder liebt.

Wie sind Sie Würstelstandler geworden?

Karl Schar: Mein Vater hatte seit 1960, meinem Geburtsjahr, drei Würstelstände in Wien – am Wallensteinplatz, am Westbahnhof und am Meislmarkt. 1985 habe ich zwei von ihm übernommen. Einer davon war sogar noch ein fahrbarer "Nachtwürstelstand".

Was ist ein "Nachtwürstelstand"?

Dieser Stand durfte nur in der Nacht aufgestellt werden, wegen der starken Fußgängerfrequenz. Untertags stand er dann in einer Garage. Man kann sich das wie einen Verkaufsanhänger vorstellen. 1991 habe ich dann hier bei der U-Bahnstation Westbahnhof den fixen Stand aufgemacht. Diese fahrbaren Stände ohne fließendes Wasser und Lüftung gibt es eigentlich aus hygienischen Gründen kaum mehr.

Wie verteilt sich die Kundschaft bei Ihnen über den Tag?

Wir haben 22 Stunden täglich, von 6 Uhr in der Früh bis 4 Uhr Früh offen. Zu uns kommen in der Nacht sogar mehr Kunden als am Tag. Die Wochenenden sind natürlich immer sehr gut, vor allem seit die U-Bahn in der Nacht durchfährt. Jüngere Nachtschwärmer sind unser Hauptpublikum. Untertags ist das Publikum gemischter: Von Managern über Polizisten, Kinder, Pensionisten und Arbeiter. Viele holen sich etwas zum Mitnehmen, bleiben aber nicht stehen. Rund 20 Prozent unserer Kunden sind Stammgäste, die wir wirklich gut kennen.

Arbeiten Sie selber am Stand?

Ich stehe zwar nicht selber drin, bin aber jeden Tag hier, organisiere die Lieferungen, den Einkauf. Ich habe gute Mitarbeiter, denen ich komplett vertraue. Wenn man das Vertrauen nicht hat, muss man sich selber reinstellen. Das funktioniert allerdings nicht bei einem Stand, der 22 Stunden am Tag offen hat. Wenn man mit den Mitarbeitern gut umgeht und genug bezahlt, klappt das. Das ist mir auch wichtig, schließlich hängt mein Herz daran.

Welches Würstel ist am beliebtesten?

Mittlerweile die Käsekrainer von Radatz, die hat die klassische Burenwurst überholt. Der klassische Burenwurstesser ist heute älteren Semesters, die Jungen essen das kaum. Wir bieten die Burenwurst gekocht und gegrillt an.

Warum hat sich der Geschmack der Leute verändert?

Das Publikum hat sich sehr verändert, es ist sehr multikulturell geworden. Die Burenwurst ist eine klassische Spezialität aus Wien, international kennt man das einfach nicht. Die Käsekrainer hingegen kennt einfach jeder. Wenn einer "a Haße" verlangt, dann will er eine Burenwurst aus dem Wasser, keine gegrillte Burenwurst oder eine Käsekrainer.

Was ist bei der Würstelzubereitung wichtig?

Am wichtigsten ist, dass man ein gutes Produkt hat, und das sind eindeutig die Waren der Firma Radatz. Deshalb beziehen wir auch fast die gesamte Ware von dort. Unsere Kunden kennen den Geschmack genau - sobald man was ändert, fällt es ihnen auf. Wir legen die Käsekrainer auf den Rost und grillen sie etwa 20 Minuten. Für mich ist die Käsekrainer perfekt, wenn sie von beiden Seiten schön gebraten ist, nicht aufplatzt und der Käse beim Aufschneiden herausrinnt.

Was macht einen Würstelstand erfolgreich?

Das Wichtigste ist der Standort, dann kommen die Ware und das freundliche, gute Personal. Die anderen Imbiss-Stände hier sehe ich eher als Mitbewerb, nicht als Konkurrenz. Heutzutage mögen einfach nicht alle Würstel. Früher hatte der Fleischhauer bis 18 Uhr offen und danach gab es einfach nichts außer den Würstelstand, wenn man noch einen Snack essen wollte. Heute gibt es ein größeres Angebot.

Was ist das Verrückteste, das Ihnen jemals am Würstelstand passiert ist?

Einmal hat ein Mitarbeiter heimlich seinen eineiigen Zwillingsbruder zur Arbeit geschickt und ich habe mich eine Weile gewundert, warum der plötzlich vieles nicht mehr weiß oder nicht so macht wie sonst. Nach einer Weile hat er dann gestanden, dass sein Bruder ihm alles erklärt habe, aber er war halt vorher noch nie am Stand.

Ganz zu Beginn von "6 aus 45", noch zu Schillingzeiten, rief uns einmal unser Mitarbeiter in der Nacht an, und meinte er gehe jetzt nach Hause. Als ich fragte, "Warum?", antwortete er, weil er jetzt Lottomillionär sei. Das war echt unglaublich!


Schnell-Imbiss Europaplatz
Karl Schar
Europaplatz U3/U6
1070 Wien
Mo – So 06.00 Uhr – 04.00 Uhr

www.radatz.at
https://www.facebook.com/RadatzWien
http://vimeo.com/radatz

  • Karl Schar isst noch immer Würstel, "liebend gerne sogar und bunt gemischt. Und ich verkoste auch laufend."
    roland unger

    Karl Schar isst noch immer Würstel, "liebend gerne sogar und bunt gemischt. Und ich verkoste auch laufend."

  • Hier trifft man Kunden jeden Alters und jeder Profession – von früh morgens bis in die frühen Morgenstunden.
    roland unger

    Hier trifft man Kunden jeden Alters und jeder Profession – von früh morgens bis in die frühen Morgenstunden.

  • Karl Schar vertraut seinen Mitarbeitern, René etwa ist seit mehreren Jahren hier tätig.
    foto: roland unger

    Karl Schar vertraut seinen Mitarbeitern, René etwa ist seit mehreren Jahren hier tätig.

  • Würstelwagen auf Rädern – so versorgte man sich am Würstelstand in Wien während der Nacht noch bis in die 80er hinein.
    roland unger

    Würstelwagen auf Rädern – so versorgte man sich am Würstelstand in Wien während der Nacht noch bis in die 80er hinein.

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