Grüne machen Abschleicher zum Thema

11. November 2014, 17:36
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Wien - Österreichs Finanzministerium kämpft derzeit an zwei Fronten. Während Deutschland Informationen über Bankkunden in Österreich begehren, bemüht sich die heimische Finanz um ähnliche Einsicht in der Schweiz.

Es geht dabei um die sogennannten Abschleicher. Wie der Standard berichtete, dürften doch einige österreichische Hinterzieher in der Schweiz eine 2013 angebotene Amnestie nicht genutzt haben. Anstatt ihr Vermögen nach den Regeln des Steuerabkommens zwischen Wien und Bern zu legalisieren, haben sie ihr Geld diskret nach Österreich geschafft, wo sie das Bankgeheimnis schützt.

Gruppenanfrage

Das Finanzministerium will die Identität der Hinterzieher mit einer Gruppenanfrage in Bern herausfinden. Die Nervosität dürfte groß sein: "Unsere Telefone laufen heiß", sagt der Wiener Steuerexperte Alexander Lang von Deloitte.

Konkret will die Finanz nach jenen Bürgern suchen, die ihr Vermögen vor Inkrafttreten des Steuerabkommens im Jänner 2013 abgezogen haben. Im Schweizer Gesetz heißt es aber, dass Anfragen rückwirkend erst ab Februar 2013 möglich sind. In Wien gibt offenbar die Hoffnung, die Begrenzung juristisch umgehen zu können.

Das Thema beschäftigt auch den Nationalrat. Der grüne Abgeordnete Bruno Rossmann hat eine Anfrage an das Finanzministerium eingebracht. Unter anderem will er wissen, warum das Zurückverschieben von Geldern nicht verhindert wurde und wie viele Hinterzieher wohin abgeschlichen sind. Experten vermuten, dass es um bis zu zehn Milliarden Euro an unversteuertem Vermögen gehen könnte. Steuerberater Lang geht von "einer deutlich vierstelligen Zahl von Abschleichern aus". (szi, DER STANDARD, 12.11.2014)

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