Mit Bewegung und Technik der Demenz begegnen

13. November 2014, 12:20
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Mit einem maßgeschneiderten Sportprogramm und einer Smartphone-App sollen Betroffene aktiv bleiben

Spittal/Salzburg - Zu den Begleiterscheinungen der Demenz gehört eine immer stärker werdende Antriebslosigkeit und der Rückzug aus dem sozialen Umfeld - beides Faktoren, die sich negativ auf den Verlauf der Krankheit auswirken. An der FH-Kärnten wird deshalb an einem Programm gearbeitet, mit dem durch gezieltes Bewegungstraining die Symptome der Demenz gemildert werden sollen.

"In dem Projekt geht es darum, mit einem Team aus Ergotherapeutinnen, Physiotherapeutinnen, Gesundheits- und Pflegemanagerinnen und Sozialarbeiterinnen eine Bewegungsintervention zu erstellen, die gesundheitsförderliche Wirkung speziell für Menschen mit Demenz hat", beschreibt die Projektleiterin Doris Gebhard die Zielsetzung.

Zunächst habe ihre Arbeitsgruppe die bestehende Literatur durchforstet, um herauszufinden, welches Training eine nachgewiesene Wirkung zeigt. Nach anschließenden Interviews mit Experten und Pflegern wurde ein Konzept entwickelt, das die individuellen Fähigkeiten und Interessen der Menschen mit einbinden soll.

"Wenn jemand sein Leben lang gerne gewandert ist, ist die Bereitschaft viel größer, ein paar Schritte im Wald spazieren zu gehen, als sich auf einen Heimtrainer zu stellen." Wenn möglich, wird das Training in Kleingruppen abgehalten, um den Kontakt mit anderen Menschen zu erleichtern. Auch Angehörige sollen darin geschult werden, um das Programm weiterführen zu können. Bis Ende des Jahres will Gebhard das Programm in der Praxis einsetzen.

Einen anderen Ansatz, um Demenzkranken zu helfen, verfolgt das Forschungsinstitut Salzburg Research mit dem "Confidence"-Projekt: Hier soll mithilfe einer Smartphone-App persönliche Betreuung mit moderner Informationstechnologie verbunden werden. Das Handyprogramm reiht sich damit in eine Vielzahl von sogenannten "Ambient Assistent Living" -Projekten ein, die das alltägliche Leben von Demenzerkrankten unterstützen sollen.

Sicherheit vermitteln

Auf einer übersichtlichen Benutzeroberfläche werden durch die App fünf Symbole angezeigt, mit denen eine Kontaktperson angerufen oder ein Notruf abgesetzt, der Weg nach Hause, wichtige Termine und das Wetter angezeigt werden können. Das soll Menschen mit Demenz dazu ermutigen, sich selbstständig zu bewegen, und ihnen die Sicherheit vermitteln, dass Hilfe kommt, wenn sie gebraucht wird.

Die Unterstützung durch Hilfsdienste oder Angehörige soll das Programm nicht ersetzen, betont Cornelia Schneider, die Leiterin des Projekts. "Im Hintergrund steht immer ein Netzwerk an Personen, die in nächster Instanz zur Verfügung stehen und direkt persönliche Hilfe anbieten." Die App richte sich jedoch nur an Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz - wer nicht mehr mit einem Mobiltelefon umgehen kann, dem sei damit nicht geholfen.

Ob das damit auch tatsächlich das Verhalten der Benutzer positiv beeinflusst wird, bleibt abzuwarten. Bislang lag der Fokus noch auf der Systemstabilisierung, sagt Schneider. "In den nächsten 15 Wochen starten zwei Testgruppen, deren Verhalten ausgewertet wird. Wirklich valide Aussagen können wir erst nächstes Jahr machen." Für ihr Produkt sieht die medizinische Informatikerin aber ein großes Potenzial: "Ich kann mir vorstellen, dass wir 15 bis 25 Prozent der Demenzkranken dazu motivieren können, die App zu verwenden, möglicherweise auch mehr. Allein für Österreich rechnen wir also mit etwa 20.000 bis 30.000 Nutzern." (daeu, DER STANDARD, 12.11.2014)

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