Sujet für Toleranzwoche der ARD in der Kritik

11. November 2014, 16:13
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Plakat für Themenwoche des Senders sorgt für teils erboste Reaktionen - ARD: Haben Nerv getroffen

Wien - Erst am Samstag hatte "Wetten, dass ...?"-Moderator Markus Lanz etwas von "unserer Toleranz", die Conchita Wurst mit ihrer Erscheinung auf die Probe stelle, schwadroniert. Anscheinend bewegen sich nicht nur Repräsentanten des ZDF in einem kleinen Spektrum von Toleranz, auch in der ARD sorgt jetzt eine eigenwillige Interpretation des Begriffs für Diskussionen.

Konkret geht es um die ARD-Themenwoche zu Toleranz, die der öffentliche-rechtliche Sender am Samstag startet. In der Kritik steht primär das Plakatsujet, mit dem die ARD auf die Sendereihe aufmerksam macht. Eine andere Hautfarbe, ein schwules Pärchen oder ein schreiendes Kind scheinen hier schon Grund genug zu sein, um Toleranz mit einem Fragezeichen zu versehen und von "Belastung oder Bereicherung" oder "Normal oder Nicht-Normal" zu sprechen.

Grüne wettern gegen das Plakat

In sozialen Netzwerken sorgt das Sujet für heftige Kritik. Aber nicht nur dort. Gegenüber dem "Handelsblatt" kritisieren die Grünen die Werbung als diskriminierend und fordern Konsequenzen. "Ich erwarte von der ARD ein Überdenken ihres Diskriminierungs-Themenspecials", sagte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, dem "Handelsblatt". Und: "Die öffentlich-rechtlichen Medien verlassen ihren gesetzlichen Auftrag, wenn sie Minderheiten in ihrer Existenz in Frage stellen."

Beck, selbst Homosexueller, sagt weiter: "Dass ich mich als homosexueller Mann im Jahr 2014 in meiner Existenz in Frage stellen lassen muss, hätte ich höchstens noch von einem unverbesserlichen rechten Rand erwartet."

Mit solchen Reaktionen dürfte die ARD nicht gerechnet haben, via Twitter ließ der Sender Montag am Abend verlauten:


Sendungsankündigung in der Kritik

Für Entrüstung sorgt aber nicht nur das Plakat, sondern auch die Ankündigung einer Sendung auf der Webseite des Hessischen Rundfunks. "Ist sich das knutschende schwule Paar in der U-Bahn eigentlich bewusst, wie viel Toleranz es seinen Mitreisenden abverlangt?" heißt es dort. In einem Update versucht der Sender zu kalmieren: "Diese Sendungsankündigung hat bereits ein großes Echo in den sozialen Medien gefunden. Wir begrüßen, dass damit eine Diskussion in Gang gekommen ist - das ist ganz im Sinne der Redaktion und der Themenwoche 'Toleranz', auch wenn wir teils heftig kritisiert wurden."

Eine "pointierte Darstellung" sei gängige journalistische Praxis, verteidigt sich der Sender und: Einzelne Sätze sollten nicht isoliert betrachtet werden.

ARD: Nerv getroffen

"Die Kritik nehmen wir selbstverständlich ernst", sagte der verantwortliche Koordinator der ARD-Themenwoche, Hans-Martin Schmidt, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der Sender habe anscheinend einen Nerv getroffen. "An den Aussagen auf den Plakaten soll sich der Betrachter reiben." Intoleranz werde oft von Äußerlichkeiten und Vorurteilen geprägt. "Genau damit spielt die Kampagne."

"Eine gewisse Provokation haben wir dabei in Kauf genommen, jedoch sollte sich niemand persönlich verletzt fühlen", sagte Schmidt. Im Vorfeld habe es Gespräche mit Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen gegeben. Dort sei bemängelt worden, "dass wir noch keine vollkommene Normalität im Umgang mit dem Thema Homosexualität in Deutschland haben. Insofern greifen wir eine bestehende Debatte auf." (red, APA, 11.11.2014)

  • So wirbt die ARD für die Themenwoche zu Toleranz.
    foto: ard

    So wirbt die ARD für die Themenwoche zu Toleranz.

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