Mitarbeiter des Lagers Traiskirchen kritisieren Bürgermeister 

11. November 2014, 15:27
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Falschinfos und "unsensible Sprachwahl" würden Lage verschärfen - Andreas Babler (SP) weist Kritik zurück

Wien/Traiskirchen - Die Mitarbeiter des Erstaufnahmezentrums in Traiskirchen haben sich am Dienstag mit einem Brief an den örtlichen Gemeinderat gewandt. In dem der APA vorliegenden Schreiben kritisieren sie unter anderem die "unsensible Sprachwahl" und Falschinfos von Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ). Dies würde die angespannte Situation nur verschärfen.

Die Betreuung von Asylwerbern in der Betreuungsstelle des Bundes erfolgt durch den privaten Betreiber ORS Service GmbH. Unterzeichnet ist der Brief von den Mitarbeitern im Bereich der Grundversorgung im Bundesministerium für Inneres. Sie halten grundsätzlich fest, dass die Herausforderungen vor Ort nur durch "kooperative, sachliche und gemeinsame Herangehensweise" aller Beteiligten gelöst werden können. Die Stadt Traiskirchen und Bürgermeister Babler würden dabei "ein besonderes Maß an Verantwortung" tragen.

"Unsensible Sprachwahl"

Die Mitarbeiter "bedauern" darin, dass der neue Bürgermeister das Prinzip des kooperativen und lösungsorientierten Zusammenwirkens "über Bord geworfen" habe. Formulierungen wie "Massenlager" oder "explosiv" seien "unverantwortlich überzogen": Durch diese Emotionalisierung und "unsensible Sprachwahl" trage Babler weiter zur Polarisierung der Debatte bei. Eine derartige Wortwahl würde außerdem die Menschen zu Kräften "am Rande des politischen Spektrums" bringen.

Der Bürgermeister würde durch seine Aussagen ein falsches Bild von Asylwerbern und der Betreuung transportieren und damit in der Bevölkerung für Verunsicherung sorgen. Dies schade jedoch nur dem Ziel, Traiskirchen zu entlasten.

"Leider zeigt sich der Stil des neuen Bürgermeisters nicht nur in unsachlichen medialen Äußerungen, sondern auch oft im mangelnden Mindestmaß an zwischenmenschlichen Umgangsformen und Respekt", lautet die weitere Kritik. Sachliche Kritik, die zu Verbesserungen und Lösungen führt, sei hingegen immer willkommen. Das Innenministerium bestätigte auf Anfrage der APA, dass es über diese Initiative informiert sei. Inhaltlich sei das Anliegen "nachvollziehbar", hieß es.

Babler wies Kritik zurück...

Babler hat die Kritik hinsichtlich seiner "unsensiblen Sprachwahl" und Falschinfos zurückgewiesen. Von dem Schreiben habe er über die Medien erfahren, sagte Babler zur APA. Bis zum frühen Dienstagnachmittag war der Brief laut dem Bürgermeister noch nicht eingelangt - er hätte Dienstagmittag an den Gemeinderat ergehen sollen.

Vielleicht handle es sich um einen Faschingsscherz, meinte Babler. "Ich bin dafür, dass man Flüchtlinge gut unterbringt und gut betreut", versicherte Babler. "Wenn ich das Wort 'Massenlager' in den Mund nehme, dann deswegen, weil es in Traiskirchen existiert und es eine Schande für die Republik ist. So geht man nicht mit Menschen auf der Flucht um."

... und distanzierte sich von FP-Veranstaltung

Babler distanzierte sich am Dienstag zudem in einer Aussendung von einer Kundgebung der FPÖ, die am Donnerstagabend in der Stadtgemeinde stattfindet. Für die Protestveranstaltung gegen die "Überfüllung" des Flüchtlingslagers hat auch der Chef der Freiheitlichen, Heinz-Christian Strache, seine Teilnahme zugesagt. "In Traiskirchen hat Hetze keinen Platz", betonte der Stadtchef.

Auf seinem privaten Facebook-Profil hielt Babler fest, dass "die Höbarts & Co." tatsächlich "INTraiskirchen" und nicht dort demonstrieren würden, "wo die Zustände verantwortet werden, nämlich vorm Innenministerium". Die Demo am Donnerstag helfe nicht, "das Massenlager zu beseitigen - im Gegenteil". Babler äußerte daher die Hoffnung, dass sich "nicht viele unserer Mitbürger da von Höbart und seiner FPÖ einspannen" lassen würden. (APA, 11.11.2014)

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