"Erfolgreich erfolglos" in Salzburg: Scheitern ist geil

11. November 2014, 17:16
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Verschiedene Aspekte der Erfolgskultur und Versagenskoketterie werden beim Open-Mind-Festival ab Donnerstag in Salzburg präsentiert

Der US-Soziologe Richard Sennett bezeichnet in Der flexible Mensch Scheitern als das letzte große Tabu. Den großen Verlierern in der Literatur- und Weltgeschichte stand keine Abfindung, sondern eine Abreibung bevor - man denke an Odysseus, Ödipus, Napoleon oder die Staaten des real existierenden Sozialismus.

In unserer konsumorientierten Leistungsgesellschaft liegen Erfolg und Misserfolg so nah beieinander wie nie zuvor. Wo das Risiko zum täglichen Geschäft gehört, bekommt das Versagen mitunter einen glamourösen Anstrich. Egal ob in der Wirtschaft oder privaten Beziehungen: Pleiten, Pech und Pannen sind eine Frage der individuellen wie gesellschaftlichen Perspektive. Das Postulat vom "Scheitern als Chance" bleibt ein Privileg der Elite.

Beim diesjährigen Open-Mind-Festival - Motto: "Erfolgreich erfolglos" - präsentiert Kuratorin Cornelia Anhaus verschiedene Aspekte der Erfolgskultur und Versagenskoketterie. Jan Ludwig, Arne und Nico Semsrott eröffnen am Donnerstag das "Museum des Scheiterns". Das Grazer Theater im Bahnhof beschäftigt sich in Mein Leben im Busch von Sarajevo mit Österreichern, die in Bosnien-Herzegowina für internationale Konzerne arbeiten.

Am Freitag diskutiert eine von Beate Hausbichler (dieStandard.at) moderierte Frauenrunde (u. a. mit der Autorin Sibylle Hamann) über den feministischen Backlash, gescheiterte Geschlechterstereotype und die Zukunft der Frauenbewegung. Willkommen Österreich-Außendienstler Hermes resümiert Sieben Jahre "Die unteren 10.000": die skurrilsten Österreicher und ihre esoterischsten Veranstaltungen. (dog, DER STANDARD, 12.11.2014)

13.-23.: Argekultur, Salzburg, 19.00. 0662/84 87 84

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