Das Elend der Hotelgastronomie und mögliche Auswege

11. November 2014, 17:04
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Das Restaurant im Hotel Kempinski lädt zur Küchenparty

Das Restaurant im Hotelpalast von Kempinski am Wiener Schottenring wird in den Guides gelobt, mit Hauben und Gabeln besternt - auf die Buchungslage aber hat das kaum Einfluss. Wer abends durch die Fenster lugt, dem präsentiert sich allzu oft das gleiche Bild: leere Tische. Dabei ist Küchenchef Philipp Vogel ein Guter, auch die Preise sind manierlich.

Ändert halt nichts daran, dass die Wiener im Zweifel eher nicht im Hotel speisen wollen: Alternativen gibt es hier, im Unterschied zu anderen mittel- und osteuropäischen Städten, ja genug. Das Problem kennen sämtliche Fünfstern-Buden, die in den vergangenen Jahren so zahlreich eröffnet, oder als Alteingesessene versucht haben, ihre Gastronomie auf zeitgenössischen Stand zu bringen.

foto: gerhard wasserbauer

Was leider in keinem Fall gelungen scheint, im aseptisch wirkenden Ritz-Carlton ebenso wenig wie im traditionsreichen Imperial oder gar in den massiven Hallen des Bristol oder des Park Hyatt. In all diesen Fällen ist die Gastronomie von vorneherein als Subventionsposten kalkuliert, dennoch wird dieser Umstand nirgends als Chance begriffen: Wenn es eh schon Geld kostet, warum wird dann kulinarisches Bravgas verbreitet, statt ein zugespitztes Konzept zu verwirklichen? In einer kulinarisch zaghaften Stadt wie Wien könnte man damit nachhaltig Eindruck machen.

Wie es gehen könnte

Mit einem jungen, international geschärften Küchenteam etwa, mit nur einem, täglich wechselnden "Menu unique" und - wegen des überschaubaren Wareneinsatzes leistbar - zu echten Kampfpreisen. Wie das geht, zeigt etwa das "Radio" in der Hochpreisstadt Kopenhagen vor, wo es, auf Wochen ausgebucht, jeden Abend fünf Gänge - und nur die - um fantastische 60 Euro gibt.

Ein anderes, lustiges Konzept wird am 17. und 18. November das Kempinski mit seiner "Küchenparty" initiieren. Dafür hat man sich vom Berliner Schwesterhotel Adlon den Küchenchef des Asia-Restaurants Sra Bua ausgeliehen und bittet zur Küchenparty: Gemeinsam essen und "free flow" trinken so viel man will, um mehr als zivile 79 Euro. Das soll es in Zukunft regelmäßig, aber leider nur einmal im Quartal geben. Dabei klingt das nach einem zukunftsfähigen Konzept! (DER STANDARD, 8.11.2014)

Küchenparty im Kempinski Wien, 17.-18. 11., € 79,- inkl. aller Getränke, Reservierung: 01/23 61 000 80 80, Schottenring 24, 1010 Wien

  • Küchenparty im Kempinski, unter anderem mit dieser Misosuppe mit Venusmuscheln, Salzzitrone und Seidentofu.
    foto: kempinski

    Küchenparty im Kempinski, unter anderem mit dieser Misosuppe mit Venusmuscheln, Salzzitrone und Seidentofu.

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