ÖBB-Chef Kern dementiert Gerüchte über Jobwechsel

11. November 2014, 12:58
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Gerüchteweise soll Kern der neue OMV-Chef werden, er will am liebsten in seiner Funktion noch den Semmering-Basistunnel 2025 eröffnen

Wien - "Jetzt sind wir aber da, um uns den neuen Zug anzuschauen." ÖBB-Chef Christian Kern reagierte gestern bei der Präsentation des neuen Cityjet-Zugs doch mit der Zeit genervt auf andauernde Journalistenfragen, was denn am Gerücht dran sei, er könnte womöglich OMV-Chef werden. Ihm gefalle sein Job, betonte Kern mehrmals.

Schön wäre es, wenn er in seiner Funktion noch den Semmering-Basistunnel eröffnen könne, sagte Kern. Die Eröffnung sei trotz einiger Verzögerungen beim Weiterbau nach wie vor für 2025 geplant.

Den Tunnel eröffnen könnte Kern "allerdings auch als Bundeskanzler", warf hier umgehend ein Journalist ein - was doch für einiges Schmunzeln sorgte. Der scherzhafte Hinweis passte jedenfalls auch zur personellen Gerüchteküche, die durch die fixierte Ablöse von OMV-Chef Gerhard Roiss (Mitte 2015) ausgelöst wurde.

Personalreserve

Denn Kern gilt schließlich auch als Personalreserve für höchste Aufgaben in der SPÖ, bis hin zum Kanzlerkandidaten. Sein ÖBB-Vertrag wurde erst im Sommer um fünf Jahre verlängert. Unter der Mitarbeiterschaft der ÖBB sind die Gerüchte rund um Kern jedenfalls zumindest genau so ein großes Thema, wie es für die Medien der Fall scheint.

Unzweifelhaft scheint auch, dass Kern beim Thema Züge regelrecht ins Schwärmen gerät - das geht von Edelstahlgriffen in den neuen Cityjet-Zügen bis hin zur Vision, dass Fahrgäste der geplanten neuen "revolutionären" Intercity-Züge "schon beim Einsteigen ankommen sollen". Da fallen oft Stichwörter wie "Herzblut", "Leidenschaft" - aber ganz managerhaft und seinem "Macher-Image" entsprechend, darf das Stichwort "Professionalität" dabei nicht fehlen.

Modernisierung der Flotte

Die ÖBB setzen auf eine Modernisierung ihrer Flotte, greifen dafür tief in die Tasche. Um 590 Mio. Euro werden 101 neue von Siemens für den Nahverkehr angeschafft. Die Züge erhalten in Anlehnung an den Railjet den Namen Cityjet. Ab Dezember 2015 sollen die ersten Garnituren unterwegs sein, bis Februar 2018 alle.

Der bis zu 160 Stundenkilometer schnelle Zug mit barrierefreien Eingängen und Bereichen wird als Regionalzugversion mit vier Türen pro Einstiegsseite 259 Sitzplätze bieten und in der S-Bahn-Version mit sechs Türen 244. Für den Großraum Wien werden 31 Stück S-Bahnen bestellt. Für Niederösterreichs Regionalverkehr kommen 31 Cityjets dazu, für die Steiermark 18 und für Oberösterreich 17 Stück.

Man spare auch mit den neuen Zügen, sagte Kern im Gespräch mit Journalisten. Denn die Wartung dieser neuen Züge müsse nur alle 20.000 Kilometer erfolgen. Bei manch älteren Garnituren müsse alle 6.000 bis 9.000 Kilometer serviciert werden. "Zudem verbrauchen die Cityjets 20 Prozent weniger Energie", so der ÖBB-Chef. Das nicht zuletzt dank Bremsen mit Energierückspeisung. Im Vergleich zu den Talent-Nahverkehrszügen ist der Cityjet um 20 Kilo je Sitzplatz leichter, gegenüber der Baureihe 3020 gleich um 130 Kilo je Platz.

Der erste Zug hat erst kürzlich die Werkshallen in Krefeld verlassen. Nun werden die Cityjets weiter geprüft. Für Tests im Windkanal kommt der erste neue Zug im Jänner 2015 nach Österreich, die Zulassungsfahrten sollen im März kommenden Jahres beginnen. (APA, 11.11.2014)

  • ÖBB-Chef Kern
    foto: apa/helmut fohringer

    ÖBB-Chef Kern

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