Isabel dos Santos: Afrikanische Oligarchin

10. November 2014, 17:29
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Isabel dos Santos baut ihr strategisches Investment in Portugal aus

Ob die 40-Jährige als Role-Model für die afrikanische Frau gelten kann, ist mehr als fraglich. Doch hat sie es weit gebracht, keine Frage. Das US-Magazin "Forbes" bezeichnete Isabel dos Santos Anfang des Vorjahres als erste Dollarmilliardärin Afrikas. Ihr Vermögen wird auf drei Milliarden Dollar, umgerechnet 2,4 Milliarden Euro, geschätzt.

Die Tochter des angolanischen Langzeitpräsidenten José Eduardo dos Santos verkörpert Licht und Schatten Afrikas. Einerseits gehört sie "qua Geburt in das Lager der Gewinner", wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" schreibt. Andererseits hat die medienscheue Geschäftsfrau stets erfolgreich von sich gewiesen, Rückenwind durch die Position des Vaters gehabt zu haben. Der Ruf einer cleveren Geschäftsfrau haftet ihr durchaus an.

Isabel dos Santos wurde 1973 geboren, wuchs im Präsidentenpalast in Luanda auf. Als sich der Präsident von seiner russischstämmigen Frau scheiden ließ, zog Isabel mit ihrer Mutter nach London. Sie studierte Elektrotechnik und Management und kehrte in den 90er-Jahren nach Angola zurück. Gerade rechtzeitig, um eine Phase hemmungslosen Kapitalismus mitzuerleben. Ihr Vater, der seit 1979 und bis heute Präsident von Angola ist, leitete eine Privatisierungswelle ein; seine Lieblingstochter startete mit einem städtischen Reinigungsunternehmen.

Heute kontrolliert Isabel ein ganzes Firmennetzwerk, sowohl in Angola als auch Portugal. So ist sie mit 28,8 Prozent Hauptaktionärin des größten portugiesischen Kabelfernsehanbieters ZON. Zudem hält sie Anteile an der portugiesischen Bank BPI. In Angola gehören ihr je 25 Prozent der Bank BIC und der Telefongesellschaft Unitel. Über die Lissaboner Firma Terra Peregrin bietet sie nun um den ehemals staatlichen Telekommunikationskonzern Portugal Telecom mit.

Der Vorwurf, der rund um den Präsidenten-Clan immer wieder laut wird: Von den immensen Schätzen des Landes, vor allem Erdöl und Diamanten, profitiert nur eine schmale Clique. Korruption ist weit verbreitet. Die Mehrheit der 18 Millionen Angolaner lebt in extremer Armut.

Als sich die mittlerweile dreifache Mutter mit dem kongolesischen Millionärssohn und Kunstsammler Sindika Dokolo vermählte, wurde ein riesiges Fest gegeben, das mehrere Millionen Dollar gekostet haben soll. Ein Chor aus Belgien wurde eingeflogen; ebenso wie das Buffet aus Frankreich. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 11.11.2014)

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    foto: epa/bruno fonseca

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