Intrige gegen Sarkozy bringt Hollande in Bedrängnis

10. November 2014, 17:31
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Nach einem Treffen seines höchsten Vertrauten mit Sarkozy-Parteirivale Fillon gerät der Präsident in die Bredouille

François Hollande wollte ein wenig Luft holen beim G-20-Gipfel im fernen Australien, um Abstand zu gewinnen von den Kabalen und Katastrophen seines Pariser Politalltags. Weit gefehlt. Am Montag erreichte den französischen Präsidenten sogar eine Affäre, die bisher seinem früheren und vielleicht auch zukünftigen Rivalen Nicolas Sarkozy zu schaffen machte: Hollandes Generalsekretär Jean-Pierre Jouyet soll Justizermittlungen gegen Sarkozy manipuliert haben.

Im Mittelpunkt steht ein Mittagessen Jouyets mit dem konservativen Ex-Premier François Fillon. Laut "Le Monde" sprachen die beiden hauptsächlich über die Justizermittlungen gegen Sarkozy wegen Überschreitung der Wahlkampfausgaben sowie Fälschung der Abrechnungen. Fillon, der fünf Jahre lang im Schatten seines Vorgesetzten Sarkozys ausgeharrt hatte und von diesem regelmäßig erniedrigt worden war, will 2017 selbst kandidieren. Er riet Jouyet angeblich, das Élysée solle Druck auf die Justiz machen, damit sie Sarkozy rasch "in die Tatzen" falle. "Haut drauf, haut richtig drauf!", sagte er laut einem dritten, unbekannten Teilnehmer des Gesprächs, das "Le Monde" zugetragen wurde.

"Ernste Sorge" über Parteifreund

Die liberale Zeitung behauptet, über eine Tonbandaufnahme zu verfügen, auf der Jouyet das Treffen bestätigt. Hollandes rechte Hand dementierte das zuerst. Am Sonntagabend musste Jouyet aber zugeben, dass er Fillon getroffen habe. Er versuchte, alles auf ihn abzuwälzen, und ließ in einem Kommuniqué verlauten, der gaullistische Ex-Premier habe ihm seine "ernsthafte Besorgnis" über die Wahlkampfaffäre Sarkozys und seiner Partei UMP ausgedrückt.

Am Montag fand sich Jouyet aber selbst am Pranger. Fillon kündigte eine Gerichtsklage gegen ihn an, weil er die Unwahrheit über das Treffen sage. Sarkozys Sprecher Gérald Darmanin verlangte gar seinen Rücktritt: "Jean-Pierre Jouyet ist der Manipulation und Lüge überführt, er muss sein Amt abgeben."

Spätes Geständnis

UMP-Vertreter schätzten, Hollandes Generalsekretär werde sich höchstens noch drei Tage halten. Müsste Jouyet wirklich den Hut nehmen, verlöre Hollande seinen, wie er sagt, "besten Freund" - und vor allem einen Vertrauten, der im Élysée-Palast die meisten Fäden zieht. Darmanin deutete gegenüber der Radiostation RTL sogar an, Jouyets "Vorgesetzter", also Hollande, könnte bei dem ominösen Treffen persönlich anwesend gewesen sein.

Die politischen Folgen der Affäre sind noch nicht absehbar. Der 60-jährige Jouyet ist das perfekte Produkt der Pariser Nomenklatura, die unter allen Präsidenten dient: Er war 2007 Europaminister Sarkozys, bevor er sich Hollande nach dessen Wahlsieg andiente.

Die Rechtsextremistin Marine Le Pen sieht in der angeblichen Palastintrige von Jouyet und Fillon den Beweis für "Mauscheleien" zwischen Sozialisten und Konservativen. Sie könnte ein weiteres Mal von Dilettantismus und Machtgerangel um das Élysée profitieren.

Noch verblüffender ist die neueste Wendung im Pariser Präsidentenwahl-Intrigenspiel insofern, als Sarkozy mit einem Mal als Opfer dasteht - und das ausgerechnet in der Affäre, die ihn am stärksten bedrohte. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 11.11.2014)

  • Revanche: Der damalige Premier François Fillon (li.) mit seinem Ex-Chef Nicolas Sarkozy im Jahr 2012.
    foto: reuters / charles platiau

    Revanche: Der damalige Premier François Fillon (li.) mit seinem Ex-Chef Nicolas Sarkozy im Jahr 2012.

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