Die gestörte ewige Ruhe des Yassir Arafat

11. November 2014, 05:30
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Exhumierung und Untersuchung seiner Überreste brachten keine Beweise für seine Ermordung

Yassir Arafat war 75 Jahre alt, als er am 11. November 2004 in einem Krankenhaus im Pariser Vorort Clamart starb, aber der Zeitpunkt seines Todes - im vierten Jahr der Zweiten Intifada - und der Verlauf seiner Krankheit, die als Infekt begonnen hatte, begünstigten Gerüchte, dass er keines natürlichen Todes gestorben sei. Dazu trug auch der Konflikt seiner Witwe, Suha, mit Arafats Umfeld bei; die eine Partei beschuldigte die andere, sie im entscheidenden Moment übergangen zu haben.

Angebliche Polonium-Spuren

Der Verdacht der meisten Palästinenser richtete sich gegen Israel, israelische Offizielle jener Zeit wurden verschiedentlich damit zitiert, dass Arafat - dem vorgeworfen wurde, die Intifada nach dem Misserfolg der israelisch-palästinensischen Verhandlungen im Sommer 2000 in Camp David bewusst losgetreten zu haben - getötet oder deportiert werden müsse. Premier Ariel Sharon, der als Oppositionsführer im September 2000 durch seinen Gang auf den Tempelberg ebenfalls seinen Teil zum Ausbruch der Intifada beigetragen hatte, soll jedoch der Meinung gewesen sein, der in seinem teilweise zerstörten Amtssitz (Muqata) in Ramallah völlig isolierte Arafat sei diesen Aufwand nicht wert. Der Nutzen von Arafats Tod würde den Imageschaden für Israel nicht aufwiegen.

Jahrelang hielten sich die Gerüchte. Im November 2012, also acht Jahre nach seinem Tod, wurde die Leiche des Palästinenserführers schließlich aus seinem Grab im Muqata exhumiert (und nach Probenentnahme wieder bestattet). Suha Arafat hatte Anzeige erstattet, nachdem in Accessoires Arafats (wie etwa einer Zahnbürste) angebliche Polonium-Spuren festgestellt wurden, und die französischen Behörden hatten dem stattgegeben.

In schlechtem Zustand

Die Überreste waren in einem äußerst schlechten Zustand - nach acht Jahren in einem feuchten, heißen Klima direkt in der Erde nicht anders zu erwarten. Auch bei den untersuchten Gegenständen aus dem Besitz Arafats war die entsprechende Konservierung, die seriöse Ergebnisse sichergestellt hätte, nicht gegeben.

Im November 2013 hörte es sich folgerichtig wie eine Sensationsmeldung an, als ein Schweizer Untersuchungsteam eine Polonium-Vergiftung Arafats zumindest nicht mehr ausschloss. Bei näherer Betrachtung war der Befund jedoch sehr unsicher - und vor allem wurde ihm in den darauffolgenden Wochen von zwei Expertenteams, einem französischen und einem russischen, widersprochen: "no smoking gun".

Das heißt, jeder kann und wird bei seiner Überzeugung bleiben - neben Israel als möglichem Täter werden übrigens auch ab und zu Palästinenser genannt. Arafat war am Ende angekommen, die Welt, aber auch seine eigenen Leute, wussten nichts mehr mit ihm anzufangen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 11.11.2014)

  • Alljährlich am 11. November halten Palästinenser Trauerfeiern für Arafat ab, wie hier 2013 in der Jerusalemer Altstadt.
    foto: reuters / a. abdullah

    Alljährlich am 11. November halten Palästinenser Trauerfeiern für Arafat ab, wie hier 2013 in der Jerusalemer Altstadt.

  • 29. Oktober 2004: Yassir Arafat an Bord eines Flugzeuges, das ihn nach Paris bringt, wo er medizinisch betreut wird, bis er am 11. November stirbt.
    foto: ap / palestinian authority

    29. Oktober 2004: Yassir Arafat an Bord eines Flugzeuges, das ihn nach Paris bringt, wo er medizinisch betreut wird, bis er am 11. November stirbt.

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