Warum Kaspersky der Innenministerin von "Stirb langsam 4" erzählt

10. November 2014, 16:29
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In einem Pressegespräch betonen Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Eugene Kaspersky, wie allgegenwärtig die Gefahr der Cyberkriminalität ist

Wer wichtig ist, ist hierzulande schnell einmal ein Papst: So ist es dann auch kein Wunder, dass Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) den IT-Sicherheitsexperten Eugene Kaspersky bei einem gemeinsamen Pressegespräch als "Virenpapst" vorstellt, dessen Erfahrungen Österreichs Cyber-Security schützen sollen. Zuvor hatten die beiden am Montag unter sich gesprochen, am frühen Nachmittag will man die Erkenntnisse einer Runde ausgewählter Journalisten übermitteln. Dabei scheinen sich die Innenministerin und der russische Computervirologe zu mögen. Das überrascht nicht: Der 49-jährige CEO verstrahlt IT-Omnipotenz und ein Allwissen über Sicherheit, das ihm im Gegenzug staatliche Behörden gern abkaufen.

Kaspersky neckt Österreich

Österreich sei allerdings "ein bisschen spät dran" mit dieser Cyber-Security, so Kaspersky keck zur Innenministerin. Er habe aber Verständnis: "Bis das Wissen von Experten zur Politik dringt, dauert es einfach", so Kaspersky. Denn Forscher hätten schon vor fünf, sechs Jahren davor gewarnt, dass ein Angriff auf den Energiesektor, das Transportwesen oder die hochtechnisierte Industrie katastrophale Folgen für das jeweilige Land haben könnte. Bei Kaspersky habe man das sogar schon vor über zehn Jahren gewusst, aber aus Sicherheitsgründen nichts verraten.

Was Österreich von Bruce Willis lernen kann

Doch dann kam "Stirb langsam 4" mit Bruce Willis in die Kinos - und Hollywood zeigte Terroristen weltweit, wie sie durch Viren, Würmer und andere Malware viel mehr Schaden als mit einer Nagelbombe anrichten können. Das habe Kaspersky aufgeweckt, erzählt dieser heute zum wiederholten Mal - dieser Filmgenuss dürfte ein Wendepunkt im Leben des IT-Forschers gewesen sein.

Drei Säulen für mehr IT-Sicherheit

Um ein "Stirb langsam" auf österreichisch zu verhindern, plant das Innenministerium nun eine Reihe von Maßnahmen. Die sind, wie es in der Ministeriumssprache so schön heißt, in drei Säulen zusammengefasst: Einerseits soll die "Cyber-Sicherheitswirtschaft" gestärkt werden. Zweitens kommt ein Cyber-Sicherheitsgesetz, das "Gefahren bekämpfen soll", so Mikl-Leitner. Drittens soll eine Internationalisierungsoffensive starten, etwa über Interpol und dessen im Entstehen befindliches Cyberzentrum in Singapur. "Dort sitzt auch jemand aus dem Innenministerium", so Mikl-Leitner.

Elchtest für IT-Produkte

Anwesend war auch Alexander Janda vom "Kuratorium Sicheres Österreich". Er wünscht sich ein "praxisrelevantes Gesetz", das auch die Cyberwirtschaft stärken soll. Man plant, "Piloten und Demonstratoren zu entwickeln". Österreichische IT-Firmen sollen ihre Produkte "einem Elchtest" unterziehen können, ergänzt die Innenministerin. Weiters sollen demnächst "Szenarios" durchgespielt werden, die einen Cyberangriff auf Österreich simulieren.

The Big Kaspersky

Der Rest des Pressegesprächs besteht vor allem aus Anekdoten, die Kaspersky nicht ohne Charme wiedergibt. Einmal faltet er sein Namensschild, um die Sicherheit seiner Produkte zu illustrieren; dass das "Internet of Things" für ihn das "Internet of Threats" sei, wiederholt er dreimal - damit ja niemand die Pointe verpasst. Kritischen Fragen nach der Überwachung durch die NSA weicht Kaspersky großflächig aus. Bevor die Innenministerin zu Wort kommen soll, weist Kaspersky erst einmal daraufhin, dass beispielsweise Schweden 2007 den russischen Internetverkehr überwacht hat.

Doppelt gemoppelt

Außerdem würden alle Daten mindestens zweimal gestohlen: So entdeckten Kasperskys IT-Fachkräfte auf zahlreichen Rechnern Schadsoftware, deren Code einmal Anmerkungen in Russisch, dann in Chinesisch aufwies. Aber so sei das halt im Cyberspace, will Kaspersky übermitteln.

Kein "Richter" über staatliches Schnüffeln

Die NSA-Überwachung, die Whistleblower Edward Snowden offengelegt habe, sei natürlich nichts Schönes - vor allem aber beschädige sie das Vertrauen unter den verschiedenen Ländern, so Kaspersky, der dafür von Mikl-Leitner eine Mischung aus Seufzer und Zustimmung bekommt. Er wolle aber über staatliche Überwachung "nicht richten", so Kaspersky weiter. Als dann die Innenministerin an der Reihe wäre, wird die Fragerunde leider geschlossen. Kaspersky und Mikl-Leitner müssen weiter. Die Cyber-Bedrohung schläft nie. (fsc, derStandard.at, 10.11.2014)

  • Der russische IT-Experte Eugene Kaspersky und Innenministerin Mikl-Leitner tauschen sich über Cyber-Security aus.
    foto: apa/techt

    Der russische IT-Experte Eugene Kaspersky und Innenministerin Mikl-Leitner tauschen sich über Cyber-Security aus.

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