Australien: Debatte um Beschaffung japanischer U-Boote

10. November 2014, 14:09
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Regierung versprach, Nachfolger der Collins-Klasse im Inland zu bauen, erwägt nun aber Kauf japanischer "Soryu"-Boote

Australiens konservative Koalition erwägt, entgegen Wahlkampfzusagen einen Großauftrag für den Bau neuer U-Boote nach Japan zu vergeben. Die 12 dieselelektrischen Schiffe der "Soryu"-Klasse sollen bis zu 36 Milliarden australische Dollar (25 Milliarden Euro) kosten, auch europäische Rüstungskonzerne wollen sich den größten Rüstungsauftrag in der Geschichte des australischen Militärs nicht entgehen lassen.

Australiens Marine ist nicht glücklich mit ihren sechs ab 1989 gebauten U-Booten der "Collins"-Klasse: die Außenhülle der Tauchfahrzeuge ist strömungstechnisch so ungeschickt konstruiert, dass diese viel lauter und damit leichter zu orten als Konkurrenzmodelle sind.

foto: epa/afp/torsten blackwood
Adelaide, August 1993: das erste U-Boot der Collins-Klasse wird zu Wasser gelassen

Im Wahlkampf 2013 hatten Politiker des konservativen Wahlbündnisses versprochen, das Nachfolgemodell werde in den schlecht ausgelasteten Werften Südaustraliens gebaut. Nun äußert Premier Tony Abbott aber Bedenken, ein in Australien entwickeltes U-Boot könnte nicht den Anforderungen der Marine entsprechen, weil einheimische Betriebe keine Erfahrung mit Projekten dieser Größenordnung haben.

Er erwägt deshalb, japanische Boote anzuschaffen, die bei den dortigen Meeresselbstverteidigungsstreitkräften seit 2009 im Einsatz sind. Die japanische "Soryu"-Klasse verfügt wie moderne europäische U-Boote über einen mit außenluftunabhängigem Antrieb, der längere Tauchzeiten ermöglicht.

foto: reuters/japan maritime self-defense force/handout
U-Boot der "Soryo"-Klasse. Seit Japans Regierung erklärt hat, vom Pazifismus abzugehen, sind auch Waffenexporte möglich.

Kritiker des Auslandsauftrags verlangen nun eine öffentliche Ausschreibung. Eine Delegation des deutschen Rüstungskonzerns ThyssenKrupp reiste im Oktober nach Australien, um einen Kooperationsvorschlag zu unterbreiten: man sei bereit, sämtliches Know-How des geplanten Exportmodells HDW-216 mit dem australischen Partner zu teilen, die Boote könnten auf Wunsch auch vor Ort gefertigt werden. Schweden und Frankreich haben ebenfalls Interesse bekundet.

foto: epa/horst pfeiffer
Deutsches Export-U-Boot der Klasse 214, das als 'HS Papanikolis' für die griechische Marine im Einsatz ist

Verteidigungsminister David Johnston gab allerdings zu verstehen, dass eine Ausschreibung zu lange dauern würde. Man benötige die neuen U-Boote möglichst schnell, da sonst eine Kapazitätslücke drohe, wenn die alten "Collins"-Boote wie geplant ab 2025 außer Dienst gehen.

Eine Eigenkonstruktion, die die besonderen Anforderungen der australischen Marine wie warme Gewässer und besonders lange Anmarschwege berücksichtigen könnte, würde für die heimischen Konstruktionsbüros eine große Herausforderung darstellen: es gibt keine Erfahrungen mit dem Bau so großer U-Boote, Budgetüberschreitungen und Verzögerungen drohen.

Einer Untersuchung im Auftrag der australischen Regierung zufolge wären für ein Projekt dieser Größenordnung etwa 1.000 Konstrukteure mit Erfahrung im U-Boot-Bau erforderlich, die es allerdings nicht gibt. Auch die US-Marine, die regelmäßig Übungen mit den Seestreitkräften Australiens und Japans abhält, rät von einem ausschließlich australischen Bauprojekt ab, weil ein zusätzlicher Typ die Zusammenarbeit zwischen den Verbündeten komplizierter machen würde. (bed, derStandard.at, 10.11.2014)

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