Violette Glücksgefühle nach Derbysieg

10. November 2014, 12:32
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Baumgartner bekam nach rasantem Finish "fast Herzinfarkt". Barisic haderte mit Anfangsphase. Randale vor Pause

Wien - Viel spektakulärer hätte die Austria die Krisenstimmung der vergangenen Wochen nicht vertreiben können. Die "Veilchen" setzten sich am Sonntag im 311. Wiener Fußball-Derby nach einer spannungsgeladenen Schlussphase im Happel-Stadion mit 3:2 gegen Rapid durch, feierten damit den ersten Erfolg gegen den Erzrivalen nach sechs erfolglosen Versuchen und verbesserten sich auf Tabellenrang sechs.

In den fünf Runden davor hatte es für die Austria nur zu einem Sieg gereicht - kein Wunder also, dass die Erleichterung bei Trainer Gerald Baumgartner groß war. "Nach den letzten Wochen sind wir nicht gerade mit breiter Brust ins Spiel gegangen. Aber wir haben uns das Selbstvertrauen während der Partie erarbeitet", meinte der Salzburger und sprach von einem "schönen Nachmittag" für die Austria.

Florian Mader (rechts) anderweitig beschäftigt.

Der Sieg gegen die nur noch drei Punkte vor den Violetten liegenden Rapidler sei der eher defensiven Spielanlage zu verdanken gewesen, meinte der Coach. "Der Schlüssel zum Erfolg war, dass wir etwas tiefer als sonst gestanden sind und auf Konter ausgerichtet waren." Baumgartners Resümee: "Wir hatten einen guten Matchplan und eine gute Taktik, waren kompakt und haben drei schöne Tore geschossen."

Allerdings musste der bald 50-Jährige trotz einer komfortablen Führung im Finish noch gehörig um die drei Punkte zittern. Das 3:0 für die Austria durch Daniel Royer in der 78. Minute war nur die vermeintliche Entscheidung, Rapid kam in der 83. Minute durch Deni Alar und in der 92. Minute durch Robert Beric noch einmal heran. "Wenn man ein Spiel, das man in der 78. Minute eigentlich gewonnen hat, fast noch aus der Hand gibt, bekommt man fast einen Herzinfarkt", gab Baumgartner zu.

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Stimmen aus dem violetten Wien.

An beiden Rapid-Treffern war Austria-Goalie Heinz Lindner vor den Augen von ÖFB-Teamchef Marcel Koller nicht schuldlos. "Beim ersten Tor sollte er den Ball haben, wenn er rauskommt. Beim zweiten hätte er den Ball klären können", meinte Baumgartner.

Lindner zeigte sich selbstkritisch. "Beim ersten Tor war ich zu spät, beim zweiten zu wenig energisch." Schlussendlich blieben seine Fehler jedoch folgenlos. "Es war ein verdienter Sieg, der uns viel Selbstvertrauen gibt. Die Stadt ist jetzt violett", sagte der Teamspieler.

Groß aufspielender Damari

Bedanken durfte sich Lindner bei Omer Damari, der groß aufspielte und die Austria mit einem Doppelpack auf die Siegerstraße brachte. In den vergangenen Partien war der Israeli noch weit von seiner Bestform entfernt gewesen. "Er ist müde von den Oktober-Länderspielen zurückgekommen und war danach ein bisschen kränklich. Gott sei Dank konnten wir ihn frisch machen. Er hat wieder gezeigt, was für ein extrem wichtiger Spieler er für uns ist", erklärte Baumgartner.

Damaris zweites Tor fiel in die Kategorie besonders sehenswert, beim ersten Treffer jedoch patzte Rapid-Goalie Jan Novota. "Das war mein Fehler. Ich habe der Mannschaft damit geschadet", sagte der Slowake, der in seinem siebenten Derby erstmals als Verlierer vom Platz ging.

Barisic vor Novota

Von Trainer Zoran Barisic, dessen Derby-Erfolgsserie als Cheftrainer ebenfalls im siebenten Spiel endete, gab es keine Vorwürfe an Novota. "Er hat uns in der Vergangenheit schon viele Partien gerettet. So etwas kann passieren. Außerdem wäre noch genug Zeit gewesen, das Match zu drehen."

Viel mehr als der Novota-Patzer ärgerte Barisic der enttäuschende Auftritt seiner gesamten Mannschaft in der Anfangsphase. "Die ersten 20, 25 Minuten haben wir verschlafen, da waren wir nicht präsent in den Zweikämpfen und haben uns die Schneid abkaufen lassen", kritisierte der Wiener.

Nicht eingespielte Abwehr

Die Startprobleme hatten laut Barisic auch mit der aufgrund vieler Ausfälle neu formierten Abwehr zu tun. "Wir haben in dieser Zusammensetzung noch nie zusammengespielt. Gewisse Dinge brauchen eben Zeit, bis sie greifen."

Der 44-Jährige sah nach der zweiten Niederlage in Folge aber auch positive Aspekte. "Es ist wichtig zu wissen, dass wir die vielen Ausfälle kompensieren können." Außerdem hob Barisic die Einstellung seiner Schützlinge hervor. "Die Mannschaft hat nie aufgesteckt und hätte sich am Schluss das 3:3 verdient gehabt."

foto: apa/hochmuth
Polizeieinsatz im Austria-Sektor.

Weniger gut war es um die Moral einiger Austria-Fans bestellt. Aus dem Gästesektor flogen gegen Ende der ersten Hälfte Leuchtraketen in Richtung eines Bereichs, in dem hauptsächlich Rapid-Fans saßen.

Erst als die Polizei aufmarschierte, hatte der Spuk ein Ende. "So etwas sollte nicht vorkommen, passiert aber immer wieder. Das ist nicht zu tolerieren", betonte Baumgartner. Laut erstem Polizeibericht gab es zehn Verletzte und zwei Festnahmen.

Die Austria verurteilte die Vorkommnisse per Presseaussendung "aufs Schärfste". Der Verein gab bekannt, dass bereits zwei Täter ausgeforscht und mit Haus- und Stadionverboten belegt wurden. (APA, 10.11.2014)

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