Falschgeldprozess: Unmoralisches Angebot im Paradies

10. November 2014, 13:42
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Ein junger Mann soll einem verdeckten Ermittler Falschgeld verkauft haben. Er habe mit dem kleinen Gewinn seine Sucht finanziert, sagt der Angeklagte

Wien - Die Polizei hat es ja oft nicht leicht. Zum Beispiel bei großen Ermittlungen - da muss man sich nämlich einen griffigen Namen für die Sonderkommission ausdenken. Im Fall eines Geldfälscherrings sorgte ein Verdächtiger selbst für die zündende Idee, verrät Staatsanwältin Sonja Herbst im Schöffenprozess gegen Demokrat M. in ihrem Eröffnungsplädoyer.

Denn in einem abgehörten Telefonat freute sich einer der mutmaßlichen Bandenchefs: "Wien ist wie ein Paradies für Falschgeld!" Kurz darauf hatte die Soko einen Namen: Paradise City.

Der 23-jährige Angeklagte, der sich vor dem Senat unter Vorsitz von Harald Craigher verantworten muss, war in dem Netzwerk nicht einmal ein kleiner Fisch, sondern quasi eine Larve. Er bekam von einem Mittelsmann gefälschte Hundert-Euro-Scheine, die er weiterverkaufte. An einen verdeckten Ermittler.

300 Euro Gewinn

Der Komplize des Fälschers, der eine Werkstatt in Wien hatte, habe seinem Mandanten "ein unmoralisches Angebot" gemacht, sagt Verteidiger Normann Hofstätter. Blüten mit einem Nominale von 4000 Euro sollte M. um 1500 Euro weiterverkaufen, ihm selbst blieb ein Gewinn von 300 Euro.

Für den fünffach Vorbestraften geht es um viel: Der Strafrahmen beträgt ein bis zehn Jahre Haft. Dazu kommen noch weitere Anklagepunkte: Er soll von dem Ermittler Geld für Blüten verlangt haben, die er gar nicht hatte - ein Betrug.

Außerdem soll er ihm eine kleine Menge Kokain geschenkt und eine Waffe besessen haben, obwohl gegen ihn ein Waffenverbot verhängt worden ist.

Und schließlich soll er im Gefängnis bei einer Vernehmung zu einem Polizisten gesagt haben, er werde dem Beamten, der ihn festgenommen hat, "ein paar auf die Goschn hauen" - somit ist er auch wegen einer gefährlichen Drohung angeklagt.

Geständiger Angeklagter

M. ist zu praktisch allen Anklagepunkten geständig, nur die gefährliche Drohung bestreitet er. Er sei wütend gewesen und habe es nicht so gemeint.

"Wie kommen Sie auf die Idee mit dem Falschgeld?", fragt ihn Vorsitzender Craigher. "Ich weiß es nicht. Ich war zu dem Zeitpunkt drogensüchtig", bietet M. als Erklärung an.

Das Geld habe er für Kokain ausgegeben, er wolle auch eine Therapie machen. Und der Liebe wegen sein Leben umkrempeln. "Ich bin mit meiner Freundin seit neun Jahren zusammen, sie ist die einzige Person, der ich was beweisen muss."

Dazu wird er wohl erst in einiger Zeit die Möglichkeit haben. Das Gericht verurteilt ihn, nicht rechtskräftig, zu dreieinhalb Jahren unbedingter Haft, von der gefährlichen Drohung wird er im Zweifel freigesprochen. (Michael Möseneder, derStandard.at, 10.11.2014)

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