170 Jahre altes Bier aus Ostsee-Schiffswrack nachgebraut

10. November 2014, 12:07
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Forscher rekonstruierten Rezept eines Bieres, dass im Wrack eines 1840 versunkenen Handelsschiffes gefunden worden war

Helsinki - Goldene Farbe, fruchtig und süß im Geschmack: So dürfte ein exquisites belgisches Bier aus dem 19. Jahrhundert ausgesehen und geschmeckt haben. Zu diesem Ergebnis kommen finnische und belgische Forscher und Brauer, die das Rezept nun nach 170 Jahren rekonstruierten. Die Vorlage dafür stammt aus dem Wrack eines Handelsschiffes, das um 1840 in der Ostsee versank.

2010 entdeckten Taucher vor den zu Finnland gehörenden Aland-Inseln im Bauch des gesunkenen Handelsschiffes neben mehr als hundert Champagnerflaschen auch fünf mit Korken verschlossene Flaschen Bier. "Im Gegensatz zum Champagner war das Bier nicht mehr genießbar", berichteten damals Forscher der Universität Löwen in Belgien.

Gemeinsam machten sich Chemiker, Mikrobiologen und Brauer aus Belgien und Finnland deshalb daran, das Bier historische nachzubrauen. "Das Ergebnis gibt uns eine Vorstellung davon, wie Bier der Extraklasse zu Beginn des 19. Jahrhunderts schmeckte", sagt Jan Wennström, der Chef der finnischen Brauerei Stallhagen.

Süß und teuer

Der Weg dorthin sei regelrechte Detektivarbeit gewesen. Zunächst fanden Wissenschafter des finnischen Forschungszentrums VTT in Espoo heraus, dass das Bier höchstwahrscheinlich aus Belgien stammte, woraufhin die Kollegen in Löwen sich daran machten, die genauen Zutaten und die Zubereitung ausfindig zu machen. "Die größte Herausforderung war, die Mikroorganismen zu bestimmen, die wir für diese Art Bier verwenden müssen", sagt der Mikrobiologe Guido Aerts.

Das Bier aus dem Wrack dürfte etwas Besonderes gewesen sein: Denn gewöhnlich sei Bier damals in Fässer abgefüllt und transportiert worden, so die Forscher. Das jetzt wieder nach dem alten Rezept gebraute Bier schmeckt deutlich süßer als seine modernen Nachfolger und hat einen Alkoholgehalt von 4,5 Prozent. "Stallhagen 1843" nennt die Brauerei das historische Bier und beschreibt es als "fein und raffiniert".

Ein Teil des Erlöses durch den Verkauf soll für gemeinnützige Zwecke verwendet werden, ein anderer zur weiteren Erforschung des nach wie vor unter Wasser liegenden Schiffswracks, sagt Brauereichef Wennström.

120.000 Flaschen "Stallhagen 1843" wurden abgefüllt, tausend weitere wurden in handgefertigten Flaschen angeboten. So wie Bier in Flaschen zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Luxusartikel war, ist es heute auch diese Sonderausgabe: Die erste Flasche erzielte bei einer Auktion 850 Euro. (APA/red, derStandard.at, 10.11.2014)

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