Agrarier werben für Bestbieterprinzip

30. Oktober 2014, 13:23
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Die Landwirtschaft wünscht sich, dass "Bestbieter" Aufträge erhalten und nicht "Billigstbieter, die Mehrkosten würden bei rund zehn Prozent liegen

Den heimischen Landwirtschaftsvertretern gehen in Sachen Lebensmittelpreise verstärkt in die Offensive. Zuletzt hat der heimische Bauernbund heimische Diskonter wegen "Milchschleuderpreisen" bei der Bundeswettbewerbsbehörde angezeigt.

Im Bauernbund wurde darüber hinaus von den Direktorinnen und Direktoren der Landesbauernbünde eine Arbeitsgruppe "Preis-Wert-Sicherheit" eingerichtet. Sie soll sich um das Monitoring des Lebensmitteleinzelhandels und dessen Preispolitik kümmern und sich auch den Rabattschlachten widmen.

Einen Schritt weiter geht man nun beim Beschaffungswesen. Nach Bauwirtschaft und öffentlichen Unternehmen wie ÖBB und Asfinag verlangen die Agrarier, dass "Bestbieter" Aufträge erhalten und nicht "Billigstbieter". Man sollte Kriterien wie kurze Transportwege oder nachhaltige Produktion wesentlich stärker berücksichtigen, wenn die öffentliche Hand Lebensmittel einkauft, etwa für Kantinen, forderte LWK-Präsident Hermann Schultes am Montag.

Essen in Kantinen

In der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bauernbund-Obmann Jakob Auer wird auch die Stoßrichtung klar: Mehr österreichische Produkte sollen eingekauft werden. Zehn Prozent mehr Inlandsnachfrage würde 10.000 neue Jobs bringen, rechnete Auer vor. Immerhin werden täglich etwa 2,2 bis 2,5 Mio. Portionen Essen in Kantinen ausgegeben, von Behörden über Spitäler und Altersheime bis hin zu Werksküchen großer Firmen. Für Gemeinschaftsverpflegung werden jährlich 1,2 bis 1,5 Mrd. Euro ausgegeben, ein Drittel des gesamten Einkaufsvolumens der Gastronomie für Lebensmittel (knapp 5 Mrd. Euro). 20.000 Arbeitsplätze hängen an den Gemeinschaftsverpflegern.

Schultes und Auer setzen auf die neue Vergaberichtlinie der EU, die für Qualitätskriterien mehr Spielraum lässt. Allerdings können Ausschreibungen auch jetzt schon so gestaltet werden, dass teurere Qualitätsangebote zum Zuge kommen. Im Innenministerium etwa kocht die SV-Gruppe auf, obwohl sie auf teurere und bessere Produkte setzt. Aber bei der Ausschreibung seien die geforderten Warengruppen so genau spezifiziert worden, dass es sich dann doch "ganz knapp ausgegangen" sei, erläuterte Andreas Kabela, Geschäftsführer der SV-Österreich, die sich auf Catering mit nachhaltigen Lebensmitteln spezialisiert hat.

Zehn bis 15 Prozent teurer

Die Mehrkosten bei einem Einkauf regionaler und nachhaltig erzeugter Produkte belaufen sich auf 10 bis 15 Prozent, rechnete Kabela vor. Der Wareneinsatz sei um etwa zehn Prozent teurer, beim Personal schlage sich die Qualität mit bis zu 15 Prozent Mehrkosten nieder. Für den einzelnen Kunden sei dies kaum spürbar. Denn in der Regel werde Werksessen ohnehin zur Hälfte gestützt, dann koste die Verpflegung nur um 20 bis 25 Cent pro Tag mehr. SV Österreich hat 2013 6,3 Mio. Hauptmahlzeiten verkauft und dabei mit knapp 600 Mitarbeitern 35,8 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Das Unternehmen gehört zur Schweizer SV Group, die insgesamt in der Schweiz, Deutschland und Österreich 530 Mio. Euro Umsatz gemacht hat. (APA/red, derStandard.at, 10.11.2014)

  • Mehr heimische Produkte sollen zum Beispiel auf die Kantinenteller, wünscht sich die heimische Landwirtschaft.
    foto: apa/spata

    Mehr heimische Produkte sollen zum Beispiel auf die Kantinenteller, wünscht sich die heimische Landwirtschaft.

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