Asthma ist nicht nur eine Lungenerkrankung

10. November 2014, 12:06
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Immunbotenstoffe verstärken die Entzündungsreaktion im Körper - dies führt nicht nur in der Lunge, sondern auch in Blutzellen zu krankhaften Veränderungen

Weltweit dürften rund 150 Millionen Menschen an Asthma leiden. Die mit Atemfunktionsstörungen in Attacken verlaufende entzündliche Lungenerkrankung ist dabei offenbar nicht ausschließlich auf die Lunge (Bronchien) beschränkt. Der aus Österreich stammende Pathologe Robert Schiestl hat an der University of California (UCLA) entdeckt, dass bei den Betroffenen auch Genschäden in Blutzellen vorliegen.

Interleukin-Überproduktion

In der Studie, die vor wenigen Tagen in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Mutation Research" erschienen ist, konnten er und seine Co-Autoren eine echte Entdeckung belegen: "Asthma ist eine weitverbreitete Erkrankung. Wir zeigen zum ersten Mal eine Verbindung zwischen Asthma und Gentoxizität in peripheren Blutzellen. Das ist wichtig, weil es einen Effekt der Erkrankung auf den gesamten Körper, nicht nur auf die Lunge, nachweist."

Die Wissenschafter untersuchten die Folgen der bekannten Überproduktion des entzündungsfördernden Immunbotenstoffs Interleukin-13 (IL-13) in einem Asthma-Tiermodell. Es scheint demnach so zu sein, dass IL-13 die Entzündungsreaktion bei Asthma verstärkt, zum Beispiel die Bildung von Freien Sauerstoffradikalen.

Schäden an mehreren Orten

Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Lunge. In Blutzellen entdeckten die Wissenschafter oxidative (durch Sauerstoffreaktionen bedingte) DNA-Schäden, Erbsubstanz-Strang-Brüche und sogar Veränderungen in den gebildeten Proteinen. Alle diese Defekte könnten wiederum zu anderen, auf der "Fernwirkung" der Lungenerkrankung basierenden weiteren Erkrankungen führen. IL-13 führt demnach zu Genschäden auch an anderen Orten als dort, wo es im Rahmen von Entzündungsreaktionen gebildet wird.

Da im Falle von Asthma - so die Hinweise aus dem Tiermodell - offenbar auch rote und weiße Blutkörperchen betroffen sind, müsste der Effekt eigentlich aus dem blutbildenden System des Knochenmarks kommen, weil dort im Rahmen der Entwicklung der Vorläuferzellen ja die kritischen Phasen stattfinden.

Höheres Risiko

Die Wissenschafter wollen jetzt versuchen, solche auftretende Genschäden durch Wirksubstanzen zu verhindern. An sich wäre es nicht verwunderlich, wenn sich das Bild von Asthma in der Zukunft zu einer "generalisierten" (den ganzen Körper betreffenden) Krankheit entwickeln würde.

So ist von vielen chronisch entzündlichen Erkrankungen bekannt, dass die Betroffenen auch ein höheres Risiko für andere, mit Entzündungen in Zusammenhang gebrachten Leiden aufweisen. Zum Beispiel weisen Gelenksrheumapatienten eine beschleunigte Atherosklerose durch die andauernde Entzündungsredaktion auf. (APA, derStandard.at, 10.11.2014)

  • Nicht nur die Lunge leidet an den Folgen von Asthma.
    foto: stephanie pilick dpa/lbn

    Nicht nur die Lunge leidet an den Folgen von Asthma.

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