Neue Plattform macht Büros teilbar

10. November 2014, 11:17
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Neno-Geschäftsführer Alexander Strohmayer sieht in seiner neuartigen Immobilien-Plattform eine Chance für Bestandhalter, freie Flächen zu monetarisieren

STANDARD: Der Wettbewerb von Plattformen für Immobilien ist sehr hart. Da veröffentlichen Sie noch eine weitere. Warum das?

Strohmayer: Wir machen etwas ganz anderes. Es geht darum, Räume und einzelne Plätze zum Arbeiten zu finden; nicht für ewig, sondern nur solange man sie braucht; stunden-, tage- oder monatsweise. Der Suchende kann z. B. ortsbasiert schauen, welche Gelegenheiten sich zum Arbeiten in seiner Umgebung befinden, und Räume oder eben einzelne Plätze reservieren.

STANDARD: Und wem gehören die Flächen?

Strohmayer: Wir greifen auf insgesamt sechs "Quellen" zurück. Wir selbst betreiben ja zwei Standorte in Wien. Die anderen fünf Kategorien gehören ganz unterschiedlichen Eigentümern. Zum Beispiel könnten klassische Coworking-Spaces ihre Flächen einbringen, oder auch sogenannte Sharing Partner. Diese teilen ungenutzte Büroräume mit anderen - bzw. über unsere Plattform - und verdienen dadurch die entsprechenden Mietkosten zurück. So können übrigens auch Tagungsräume und Konferenzflächen ins System kommen. Außerdem bieten wir sogenannte Working Lounges an, eine Mischung aus Internetcafé und Meeting-Hotspot, die auf mobile Arbeitsbedürfnisse ausgelegt sind und Zonen zum Konzentrieren wie auch zum Kommunizieren bieten. Diese Lounges können in Kaffeehäusern sein, auf Raststätten, in Einkaufszentren oder in leerstehenden Erdgeschoßzonen.

STANDARD: Das heißt, Firmen, die ein zu großes Büro haben, könnten ihre laufenden Kosten reduzieren, indem sie Teilflächen vermieten ...

Strohmayer: Genau. Und wenn die Unternehmen wieder mehr Platz brauchen, haben sie eine Pufferzone dafür. Dieses Modell ist auch für Büroflächen geeignet, die vom Mieter etwa nur zwei Tage in der Woche genutzt werden. Wenn ich einen 20 m² großen Raum im urbanen Gebiet zwei bis drei Tage in der Woche bereitstelle, bekomme ich im Durchschnitt 16 Euro pro Quadratmeter und Monat.

STANDARD: Abhängig von der Auslastung?

Strohmayer: Ja. Dieses Beispiel ist mit einer realistischen Auslastung von 45 bis 50 Prozent gerechnet. In jedem Fall garantieren wir dem Bereitsteller die von ihm zu bezahlende Miete.

STANDARD: Die Rechnung klingt seltsam. Warum sollte er mehr als die Durchschnittsmiete bekommen - und Sie schneiden ja auch noch mit?

Strohmayer: Wir gehen das Ganze völlig anders an als bisher üblich. Wir ändern die Handelseinheit von Quadratmeter auf Stunde. Wir haben immer zwei Zonen, eine mit buchbaren Zimmern, eine mit flexiblen Tischen und Lounges. Sie setzen sich also hin, wo etwas frei ist. Diese Zone macht in unseren bisherigen Centern 21 Prozent der Fläche, aber 48 Prozent des Umsatzes aus. Darum können wir auch die Raumbuchungen billiger anbieten. Wir sind um 30 Prozent unter dem marktüblichen Preis von Business-Centern.

STANDARD: Also eine Kampfansage an Anbieter servicierter Büros?

Strohmayer: Ganz und gar nicht! Die können ja ihre Flächen genauso mit uns vermarkten und profitieren. Wir sehen uns nicht als Mitbewerber im Serviced Office Markt - unser Geschäft ist es, die Auslastung zu optimieren. Das gilt übrigens auch für Fonds und andere große Bestandhalter. Ich sehe hier drei Modelle, wie beim Hotel: Miet-, Hybrid- oder Lizenzmodell.

STANDARD: Bei geteilten Büros stellt sich aber die Frage der Sicherheit.

Strohmayer: Wir haben ein eigenes Türschloss entwickelt, bei dem sich der Nutzer identifizieren muss. So können wir auch minutengenau abrechnen.

STANDARD: Sie haben nun einen Vertrag mit dem Business-Netzwerk Xing unterschrieben. Wie sieht diese Partnerschaft aus?

Strohmayer: Wir sind Infrastrukturpartner, wodurch wir die über zehn Millionen Xing-Nutzer erreichen. Unsere Zielgruppe ist ja die Masse, die kleineren Unternehmer oder Firmen. Je mehr zu uns kommen, desto besser können wir die Kosten auf alle aufteilen. Und Xing möchte seinen Mitgliedern auch physischen Raum anbieten. Da komplettieren wir uns. Premium-Mitglieder von Xing erhalten besondere Konditionen bei uns und können ab 3,5 Euro pro Stunde unsere Standorte zum Arbeiten oder für Treffen nutzen. Außerdem glauben wir, dass "Arbeiten" als Prozess immer weniger mit einem speziellen Ort verknüpft ist. Unternehmen können über die "Neno Workspace App" nicht nur ungenutzte Büroflächen mit anderen teilen, sondern auch neue Geschäftspartner finden. Wir nennen das Peer-to-peer-Coworking. Beispiel: Ein PR-Berater sucht tageweise einen Arbeitsraum und findet ihn bei einer Druckerei, die ohnehin sein Know-how braucht und so zu Druckaufträgen kommt.

STANDARD: Ihr Modell ist für den urbanen Raum geeignet, der ist in Österreich aber nicht so groß. Gibt es Pläne zur Internationalisierung?

Strohmayer: Ja. Nach einer sechsmonatigen Pilotphase in Österreich soll es einen Rollout in Deutschland geben. Hierfür suchen wir einen strategischen Partner, der durchaus aus der Immobilienwirtschaft kommen kann. (Interview: Heimo Rollett, DER STANDARD, 8.11.2014)

Alexander Strohmayer ist Gründer und Geschäftsführer von Neno Offices.

  • Ein Büro suchen und neue Geschäftspartner finden: Das geteilte Büro als zukünftiger Peer-to-peer-Coworking-Space macht's möglich.
    foto: istock

    Ein Büro suchen und neue Geschäftspartner finden: Das geteilte Büro als zukünftiger Peer-to-peer-Coworking-Space macht's möglich.

  • Alexander Strohmayer: "Unser Geschäft ist es, die Auslastung zu optimieren."
    foto: neno

    Alexander Strohmayer: "Unser Geschäft ist es, die Auslastung zu optimieren."

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