Twitter holt sich Hilfe gegen Sexismus und Belästigung

10. November 2014, 10:46
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Externe Frauenrechtsorganisation "WAM" soll dem Nachrichtendienst helfen, seine Nutzer besser zu beschützen

Der Ruf des Nachrichtendienstes Twitter hat in den letzten Monaten stark gelitten: Der Service wurde von Propagandisten der Terrormiliz IS zur Verbreitung ihrer Hetze genutzt, zusätzlich beschwerten sich etliche Nutzer über Homophobie, Rassismus und Sexismus. So wurde etwa Robin Williams Tochter Zelda nach dessen Tod von der Plattform geekelt, während feministische Games-Entwicklerinnen und Popkultur-Kritikerinnen im Zuge der GamerGate-Bewegung bedroht wurden. Unabhängige Studien belegten, dass junge Frauen im Netz besonders gefährdet sind.

Öffentlich

Twitter gerät besonders in den Blickpunkt, da die Plattform überwiegend öffentlich funktioniert. Zwar gibt es private Nachrichten, die werden allerdings kaum genutzt. Überwiegend ist Twitter dazu da, vor den Augen aller anderen Nutzer zu kommunizieren. Gewaltausbrüche fallen daher mehr auf als in anderen Plattformen wie Facebook.

Externe Hilfe

Der Nachrichtendienst hat das Problem erkannt und sich nun externe Hilfe geholt: Die Frauenrechtsorganisation "Women, Action and the Media" (WAM) wird in den nächsten Wochen evaluieren, wie Twitter-eigene Moderatoren mit Sexismus umgehen. So können Twitter-Nutzer, die sich im Bereich Sexismus belästigt fühlen, die entsprechende Nachricht nicht nur bei Twitter, sondern auch bei WAM abgeben.

Intervenieren

Die Organisation kann anschließend bei Twitter intervenieren und verfolgen, wie die Plattform mit der Beschwerde umgeht. Nach einigen Wochen soll WAM dann Twitter berichten, wo Verbesserungen in der Moderation vorgenommen werden können. Anschließend könnte es auch zu Schulungen von Twitter-Angestellten durch WAM kommen.

Sparflamme?

Zwar wird Twitters Bekenntnis, Aufholbedarf zu haben, insgesamt begrüßt, an der Auswahl der Organisation WAM gibt es aber Kritik. Nicht, weil ihr mangelnde Kompetenzen vorgeworfen werden – im Gegenteil. Allerdings besteht die Non-Profit-Organisation aus lediglich zwei Mitarbeiterinnen, die das gesamte Twitter-Projekt schupfen müssen. Im US-Magazin The Atlantic meint selbst WMA-Chefin Jaelyn Friedman, dass der geringe Ressourcenaufwand von Twitter enttäuschend sei.

Zensur-Vorwurf entkräftet

Vorwürfe von Twitter-Nutzern, durch verstärkte Moderation werde die Rede- und Meinungsfreiheit gefährdet, will Friedman allerdings nicht gelten lassen. Denn: "Bei sogenannten ‚offenen‘, unregulierten Debatten werden Stimmen noch vielmehr zensiert – nämlich die von Minderheiten, die sprachlich unterdrückt werden", so Friedman. (fsc, derStandard.at, 10.11.2014)

  • Twitter will für gewaltfreie Kommunikation sorgen
    foto: apa/epa/lieshout

    Twitter will für gewaltfreie Kommunikation sorgen

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