Spanische Prinzessin Cristina ist keine Geldwäscherin 

9. November 2014, 17:37
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Verfahren gegen die Schwester des Köngis geht aber weiter

Palma de Mallorca - "Das hat sich niemand erwartet, weder Anklage, noch Verteidigung", sagte Miquel Roca, Anwalt von Spaniens Prinzessin Cristina. Überrascht wegen der Fortführung des Verfahrens und zugleich erleichtert, weil der Geldwäsche-Anklagepunkt fallengelassen wurde - "der am schwersten wiegende".

Am vergangenen Freitag entschied das Höchstgericht der Balearen in Palma de Mallorca gegen die Zurückziehung der Anklage. Das Verfahren, das Richter José Castro gegen Prinzessin Cristina führt, läuft nun weiter. Wegen der Veruntreuung von Staatsgeldern im Rahmen der Stiftung "Nóos", es geht um mehr als sechs Millionen Euro. Das Geld soll für Reisen, Tanzkurse, feines Geschirr und Partys, aber auch für die Villa der "Herzöge von Palma" in einem Nobelviertel Barcelonas ausgegeben worden sein.

"Nóos" gehört Cristinas Ehemann, dem Ex-Profi-Handballer Iñaki Urdangarin. Hinzu kommt deren beider Beteiligung zu je 50 Prozent im gemeinsamen Unternehmen Aizoon, wo 2007 und 2008 mindestens 330.000 Euro an Steuern unterschlagen worden sein sollen.

500.000 Euro Kaution

Die drei zuständigen Höchstrichter erachten Cristina "als eine Kollaborateurin", die laut Gerichtsakt "für den Steuerbetrug kooperierte", dass "sie davon gewusst haben muss" und "beteiligt war". 500.000 Euro Kaution muss Cristina hinterlegen. Im Fall einer Verurteilung drohen der Verlust jeglicher Privilegien des Königshauses und sechs Jahre Haft.

Cristinas Bruder, König Felipe VI., betonte wiederholt, "gerichtliche Entscheidungen und die Unabhängig der Justiz zu respektieren". Ende Oktober unterstrich er bei der Verleihung der Prinz-von-Asturien-Preise, dass "die Gesellschaft moralische Referenzen brauche, die sie respektiert und achtet". Die definitive Entscheidung, ob Cristina auf die Anklagebank muss, wird vermutlich erst 2016 fallen. Die "Botín-Doktrin", benannt nach dem verstorbenen Banco-Santander-Chef Emilio Botín, besagt, dass es nicht nur aufgrund der Nebenkläger zum Prozess kommen kann. Es bedarf eines Antrags der Staatsanwaltschaft oder anderer staatlicher Instanzen, wie der Steuerbehörde. Was noch als unwahrscheinlich gilt. (Jan Marot, Der Standard, 9.11.2014)

  • Spaniens Prinzessin Cristina vor dem Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca. Der Vorwurf der Geldwäsche wurde fallen gelassen.
    foto: reuters / paul hanna

    Spaniens Prinzessin Cristina vor dem Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca. Der Vorwurf der Geldwäsche wurde fallen gelassen.

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