Unruhen in Mexiko nach mutmaßlicher Ermordung vermisster Studenten

Video9. November 2014, 15:34
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Feuer beim Nationalpalast in der Hauptstadt gelegt - Universität Innsbruck soll DNA auswerten

Mexiko-Stadt - Nach der Ermordung von 43 Studenten wächst in der mexikanischen Bevölkerung die Wut auf die Regierung. Am Rande einer Massendemonstration kam es am Samstagabend zu Ausschreitungen. Demonstranten legten Feuer am Tor zum Nationalpalast im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt. Die Polizei löschte den Brand und riegelte das Gebäude ab, das Präsident Enrique Pena Nieto für Zeremonien nutzt.

Die Bereitschaftspolizei räumte den Platz. Dabei wurden nach Berichten lokaler Medien mindestens zwei Menschen verletzt. Pena Nieto hielt sich zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht in dem Palast auf.

Tausende auf den Straßen

Seit Wochen ziehen immer wieder Tausende Menschen auf die Straßen der mexikanischen Hauptstadt. Sie werfen der Regierung Versagen bei der Bekämpfung von Korruption, organisierter Kriminalität und insbesondere im Fall der 43 entführten Lehramtsstudenten vor. Die Behörden gehen davon aus, dass diese ermordet und die Leichen verstümmelt und verbrannt wurden.

Am Freitagabend veröffentlichte Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Geständnisse von drei Mitgliedern einer Drogenbande, die verdächtigt werden, Ende September zusammen mit korrupten Polizisten die Studenten verschleppt zu haben. Die mutmaßlichen Täter hätten zugegeben, zahlreiche Leichen auf einer Müllhalde nahe Iguala im Bundesstaat Guerrero angezündet zu haben. Auch in Guerrero bewarfen Demonstranten am Samstag den Sitz der Regionalregierung mit Brandsätzen und steckten Autos in Brand.

Murillo legte neben den Videoaufnahmen der Geständnisse auch Fotos der Fundorte vor. Es habe länger als zwölf Stunden gedauert, die Leichen zu verbrennen. "Sie haben versucht, jede mögliche Spur zu zerstören." Anschließend hätten die Täter die verkohlten Überreste zermahlen und versucht, die Asche in einem Fluss und auf der Deponie verschwinden zu lassen.

74 Festnahmen

Zwar hätten die Ermittler Zähne der Opfer gefunden. Diese seien jedoch so stärk beschädigt, dass sie bei einer Berührung praktisch zu Staub zerfallen seien. Entsprechend sei es unmöglich zu sagen, wann die Toten identifiziert werden könnten. Die DNA-Analyse der sterblichen Überreste soll in der Universität Innsbruck vorgenommen werden.

Die Behörden haben im Zusammenhang mit dem Fall 74 Menschen festgenommen, darunter Dutzende Polizisten sowie den Bürgermeister von Iguala und dessen Frau. Präsident Pena Nieto gerät angesichts der grassierenden Gewalt zunehmend unter Druck. Bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hatte er angekündigt, die öffentliche Ordnung in Mexiko wiederherzustellen, wo seit 2007 etwa 100.000 Menschen als Folge der Organisierten Kriminalität getötet wurden.

Anfeindungen sieht sich auch Generalstaatsanwalt Murillo ausgesetzt. Demonstranten und Regierungsgegner griffen eine Redewendung am Ende seiner Pressekonferenz vom Freitagabend auf. Sein "Ya me canse" (etwa: "Mir reicht's, ich bin müde") wurde zur viel zitierten Phrase auf Twitter, wo unter anderem Murillos Rücktritt gefordert wurde.

Vorwürfe gegen Behörden

Ein Beitrag stellte ein Bild von Murillo neben ein Foto des Präsidenten, über dem die Worte "Ich mach mich mal auf nach China" prangerten. Dort wird Pena Nieto in Kürze zu einem Staatsbesuch erwartet, um für Investitionen in Mexiko zu werben. Mehrere Eltern der vermissten Studenten haben ihn gewarnt, sich genau zu überlegen, ob er angesichts der jüngsten Entwicklungen wirklich nach China reisen wolle.

Menschenrechtler erhoben indes schwere Vorwürfe gegen die Behörden. "Korruption und Gewalt sind seit Jahren offensichtlich. Wer sie ignoriert, hat sich zum Komplizen in dieser Tragödie gemacht", sagte die Amerika-Beauftragte von Amnesty International, Erika Guevara-Rosas. (APA, 9.11.2014)

  • Eine Gruppe von Demonstranten setzen das Tor des Präsidentenpalastes in Brand.
    foto: reuters/edgard garrido

    Eine Gruppe von Demonstranten setzen das Tor des Präsidentenpalastes in Brand.

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    Demonstranten vor dem Nationalpalast.

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