Verdächtige gestanden Mord an Dutzenden Studenten in Mexiko

8. November 2014, 21:05
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Seit über einem Monat waren die Studenten vermisst - Uni Innsbruck hilft bei Identifizierung

Mexiko-Stadt - Die in Mexiko verschleppten Studenten sind wahrscheinlich tot. Alles deute darauf hin, dass sie umgebracht wurden, sagte Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam am Freitag (Ortszeit). Offiziell würden die jungen Leute aber weiter als vermisst gelten. Mehr als einen Monat nach dem Verschwinden räumten Mitglieder der kriminellen Organisation "Guerreros Unidos" den Mord an den Studenten ein.

Sie hätten eine größere Gruppe getötet und die Leichen verbrannt, sagten die Verdächtigen. Die Ermittler veröffentlichten nun Videos der Vernehmungen. Nahe der Ortschaft Cocula im Bundesstaat Guerrero entdeckten die Ermittler Asche und Zähne.

DNA-Analyse in Innsbruck

Die Proben sollen nun von argentinischen Gerichtsmedizinern sowie in einem Labor der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht werden. Das dortige Institut für Gerichtliche Medizin gilt als das DNA-Kompetenzzentrum Österreichs und als Institut von Weltrang. Die Innsbrucker waren bereits nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean von 2004 mit der Aufgabe betraut worden, DNA-Profile für in Sri Lanka ums Leben gekommene, zunächst unbekannte Menschen zu erstellen, die als Ausländer bzw. Touristen eingestuft wurden.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf Mexiko Nachlässigkeit bei der Verfolgung schwerer Straftaten vor. "Die Korruption und Gewalt sind seit Jahren offensichtlich. Wer sie ignoriert, hat sich zum Komplizen in dieser Tragödie gemacht", sagte die Amerika-Beauftragte Erika Guevara Rosas.

Keine Einzelfälle

Auch Human Rights Watch erhob Vorwürfe gegen die Behörden. "Das sind die schlimmsten Grausamkeiten seit Jahren in Mexiko, aber keine Einzelfälle", sagte Amerika-Direktor Jose Miguel Vivanco. "Die Morde spiegeln ein Muster des Missbrauchs wider und sind eine Konsequenz der Unfähigkeit der mexikanischen Behörden, das Problem zu lösen." Kriminalitätsexperte Edgardo Buscaglia forderte die Einsetzung einer unabhängigen Wahrheitskommission unter Beteiligung der Vereinten Nationen.

Ende September waren 43 Studenten eines linksgerichteten Lehrerseminars in der Stadt Iguala offenbar von Polizisten verschleppt worden. Später wurden sie Zeugenaussagen zufolge an Mitglieder der Bande "Guerreros Unidos" übergeben. Diese hätten die Entführten auf einer Mülldeponie bei Cocula getötet, ihre Leichen mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt, sagten die Verdächtigen nun. Die sterblichen Überreste seien in einen Fluss geworfen worden.

Bürgermeister festgenommen

Der Bürgermeister von Iguala und seine Frau waren am Dienstag als mutmaßliche Drahtzieher der Tat festgenommen worden. Anscheinend wollte Rathauschef Jose Luis Abarca verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Frau als Vorsitzende des örtlichen Wohlfahrtsverbands stören. Die Lehramtsstudenten sind Indios aus einfachen Verhältnissen und für ihren politischen Aktivismus bekannt.

Bürgermeistergattin María de los Angeles Pineda stammt aus einer Drogenhändlerfamilie mit Verbindungen zum Beltran-Leyva-Kartell. Sie soll ein führendes Mitglied der "Guerreros Unidos" sein. Nach Einschätzung der Ermittler arbeiten in der Region örtliche Politiker, korrupte Polizisten sowie Verbrecher Hand in Hand.

Präsident "empört"

"Unsere Nation erlebt schwierige Zeiten. Die Ereignisse von Iguala empören uns alle", sagte Präsident Enrique Pena Nieto, der wochenlang zu den Ereignissen von Iguala geschwiegen hatte. "Ich gebe den Familien der Verschwundenen und allen Mexikanern mein Wort: Wir werden nicht innehalten, bis der Gerechtigkeit Genüge getan ist", sagte er am Freitag auf einer Wirtschaftskonferenz.

Die Angehörigen hingegen misstrauen den Behörden. "Es war der Staat, der die Leute entführt hat", sagte der Sprecher der Opferfamilien, Felipe de la Cruz. Den jüngsten Ermittlungsergebnissen schenken sie keinen Glauben. "Solange es keine Beweise gibt, sind unsere Kinder für uns noch am Leben", sagte eine Mutter. (red, APA, 8.11.2015)

  • Über ein Monat nach dem Angriff auf die Lehramtsstudenten intensiviert die mexikanische Polizei medienwirksam die Suche
    foto: reuters/henry romero

    Über ein Monat nach dem Angriff auf die Lehramtsstudenten intensiviert die mexikanische Polizei medienwirksam die Suche

  • Demonstration für die entführten Studenten in Mexiko City

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