Das geheime Doping-Sportartenranking 

7. November 2014, 18:17
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25 Jahre nach dem Mauerfall, der Trainer und Mediziner aus der DDR nach Österreich schwemmte, steht eine Novelle zum Anti-Doping-Gesetz bevor. Strafen werden verschärft, Sportler und Sportarten werden künftig hinsichtlich ihrer Doping-Affinität eingeschätzt

Wien - Den Ministerrat hat sie passiert, mit Jänner soll die Novelle zum Anti-Doping-Bundesgesetz (ADBG) in Kraft treten. Sportminister Gerald Klug und Michael Cepic, der Geschäftsführer der heimischen Anti-Doping-Agentur (Nada), hatten aufs Tempo gedrückt. Es gilt, die Vorgaben des Welt-Anti-Doping-Codes (WADC) umzusetzen. Ansonsten würde Österreich laut Klug riskieren, als Veranstalter künftiger Großevents auszuscheiden.

Sportlern, die erstmals positiv sind, droht künftig eine vierjährige statt einer zweijährigen Sperre. Vor allem aber zielt das neue Gesetz darauf ab, die Kreise von Hintermännern und Hinterfrauen zu stören. Künftig dürfen verurteilte Sportler, Trainer, Mediziner oder Funktionäre für die Dauer ihrer Sperre oder bis zu sechs Jahre lang nicht mehr für Sportler tätig sein. Und Sportler, die mit verurteilten Trainern oder Medizinern zugange sind, machen sich eines Dopingvergehens schuldig.

So gesehen kann man wohl aufatmen in Thalgau, wo Bernd Pansold seit 2003 das Diagnostik- und Trainingszentrum von Red Bull leitet. Pansold war im DDR-Dopingprozess wegen Dopings von Minderjährigen verurteilt worden, das Urteil von 1998 aber liegt so lange zurück, dass es keine Auswirkungen auf Red-Bull-Profisportler hätte, die in Thalgau ein- und ausgehen.

Stechemesser in Österreich

Wäre das Gesetz früher zur Geltung gekommen, hätte nicht nur Pansold ein Problem bekommen, sondern auch Helmut Stechemesser, ein weiterer DDR-Sportmediziner, den es nach der Wende nach Österreich verschlagen hatte. Stechemesser betreute hierzulande die später wegen Dopingvergehen verurteilten Läuferinnen Stephanie Graf und Susanne Pumper, er betreute auch Theresia Kiesl, die 1996 Olympiadritte über 1.500 Meter war und in deren Wohnung man zwei Jahre später Dopingpräparate fand, die ihr in der Fitnessszene aktiver Ehemann dem Vernehmen nach ohne ihr Wissen dort gelagert hatte. Vor allem Graf hatte Stechemesser belastet, als sie aussagte, er habe sie zur Eigenblutentnahme an das Wiener Institut Humanplasma vermittelt. Den Leichtathletiktrainer Wilhelm Lilge, der Stechemesser als "Doping-Hintermann" bezeichnet hatte, hat Stechemesser erfolglos geklagt.

Lilge hatte als Trainer beim LCC Wien eine Dopingkontrolle veranlasst, über die Pumper stolperte. Er wurde entlassen, wohingegen Pumper mittlerweile zur Obfrau des LCC aufgestiegen ist. Pumper, nach einem weiteren Dopingvergehen bis 2020 gesperrt, dürfte derzeit auch keine offizielle Funktion bekleiden, sie löste das Problem, indem sie den LCC beim Verband abmeldete. Sollte sich eine Spitzensportlerin oder ein Spitzensportler von ihr betreuen lassen, läuft dies ab 2015 unter "Dopingvergehen". Pumper erklärt, sie habe mit Spitzensport nichts mehr am Hut, der LCC sei "für den Breitensport da".

Die Gesetzesnovelle wird also kaum in die Vergangenheit wirken. Einiges könnte von einer Neueinteilung des sogenannten Test-Pools zu erwarten sein. Man will mehr Augenmerk auf Sportler legen, die schon aufgefallen sind oder sich auffällig entwickeln. Auch Sportarten werden als mehr oder weniger dopingriskant eingeschätzt - aufgrund ihrer Geschichte, auch wegen der Höhe von Preisgeldern oder Förderungen, die winken. Die Veröffentlichung eines diesbezüglichen Verbandsrankings wäre indes eine große Überraschung. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 8./9.11.2014)

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