Der alte Außerirdische will noch mehr

7. November 2014, 17:51
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Bernard Hopkins verteidigt im nicht ganz so zarten Alter von 49 Jahren seinen Titel im Halbschwergewicht. Gegner ist der Russe Sergei Kowaljow

Bernard Hopkins, der traut sich was. Am Samstag steigt der Boxer aus Philadelphia in den Ring der altehrwürdigen Boardwalk Hall von Atlantic City. Das Halbschwergewicht will im Alter von 49 Jahren nicht nur seine Titel der Verbände IBF und WBA verteidigen, sondern auch jenen der WBO erobern.

foto: apa/ap/lea
"Ich will gegen die Besten kämpfen", sagt Hopkins. Kowaljow ist einer davon.

Im Weg steht Sergei Alexandrowitsch Kowaljow. Der Russe ist ein eher ungemütlicher Typ: 26 Profikämpfe hat er bisher absolviert, 23 davon durch Knockout gewonnen. Die Statistik lügt nicht, der Linksausleger Kowaljow hat einen harten Punch. Hopkins geht gegen den 31-Jährigen ein großes Risiko ein, Experten befürchten, seine imponierende Karriere könnte im Ringstaub von New Jersey ausklingen.

Vor 26 Jahren begann Hopkins, der sich selbst "Alien" nennt, seine Profikarriere mit einer Niederlage, Großtaten sollten folgen: mit einer zehnjährigen Amtszeit zwischen 1995 und 2005 ist er der am längsten regierende Mittelgewichtsweltmeister, keiner hat in dieser Klasse mehr Titelverteidigungen, nämlich 34 an der Zahl, auf der Habenseite, und der älteste Boxweltmeister aller Zeiten ist er sowieso. Seine größten Siege gelangen gegen die Klassengrößen Felix Trinidad und Oscar de la Hoya.

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Hopkins knockt 2004 den "Golden Boy" Oscar de La Hoya aus.

Hopkins kennt auch die bitteren Seite des Lebens: als Teenager wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und saß fünf Jahre ein. Über das Boxen fand er ins Leben zurück. Dass er sich nun im hohen Alter dem Kampf gegen Kowaljow aussetzt, ist Zeichen unerschütterlichen Selbstbewusstseins: "Ich will gegen die Besten kämpfen. Ray Leonard hat gegen sie gekämpft, Marvin Hagler hat es getan". Hopkins sieht sich in einer Reihe mit diesen Legenden, fühlt sich aber chronisch unter Wert geschlagen.

Kowaljow zollt seinem Gegner artig Respekt, will Hopkins aber trotzdem mit einem Knockout in die wohlverdiente Sportpension schicken: "Er kann dann eine Karriere im Theater starten, er ist ein guter Redner."

Das Schauspiel interessiert den US-Amerikaner derweil nur peripher, er denkt an einen Kampf gegen Adonis Stevenson. Der Kanadier hält den vierten relevanten Titel der Gewichtsklasse, nämlich jenen der WBC. Hopkins will sich auch diesen Gürtel umschnallen. (Philip Bauer, derStandard.at, 7.11.2014)

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