Verbund: Hektisches Tauziehen um Job-Abbau

7. November 2014, 17:12
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Verbund informiert Mitarbeiter am Dienstag über Sparpaket - 150 statt mehr als 300 Stellen gefährdet

Wien - Hektische Betriebsamkeit löste der STANDARD-Bericht über den geplanten Personalabbau beim Energieerzeuger Verbund aus. Verbund-intern ist nun von einem intensiven Tauziehen um das Sparprogramm samt Stellenabbau die Rede, das zwischen der Holding-Führung rund um Generaldirektor Wolfgang Anzengruber, seinem für Personal zuständigen Stellvertreter Johann Sereinig und den Managements der Teilkonzerne im Gang sei.

Mit folgendem Zwischenergebnis: Die ursprünglich angepeilten (aber nie bestätigten) Zielplanzahlen von mehr als 300 wurden laut Insidern auf die Untergrenze von 150 Arbeitsplätze mehr als halbiert, berichten Insider. "Vorerst", wie es heißt. Noch nicht vom Tisch ist, dass darüber hinaus "scheibchenweise", also Jahr für Jahr, Arbeitsplätze wegrationalisiert werden sollen.

"Personalabbau genügt nicht"

Die Eckdaten des verschärften Sparkurses will das Management den rund 3.000 Beschäftigten am Dienstag via Videokonferenz mitteilen. Details sind von dieser Informationsversammlung wohl kaum zu erwarten, denn noch ist das Paket nicht geschnürt. Aus Aufsichtsratskreisen verlautet, dies sei ein Thema, das in der Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember diskutiert werde.

Was noch auf der Agenda steht: Unternehmensstrategie. "Die ist dringend nötig", sagt ein Aufsichtsratsmitglied, das nicht genannt werden will. "Wasserkraft allein wird sicher nicht genügen." Nachsatz: Personalabbau auch nicht, denn damit werde sich der Verfall des Strompreises nicht kompensieren lassen.

Abgestoßene Beteiligungen

Als Dreh- und Angelpunkt in den bevorstehenden Verhandlungen mit den Belegschaftsvertretern der Teilkonzerne der Verbund AG kristallisiert sich zusehends die Frage heraus: Wie viel wird die Holding, also die börsennotierte Verbund AG mit Sitz in der Wiener Innenstadt, zum beschleunigten Sparkurs beitragen? Sie beschäftigt inzwischen 180 Mitarbeiter und eine noch immer "ansehnliche" Auslandsabteilung, obwohl das Auslandsgeschäft inzwischen dramatisch geschrumpft wurde.

Die Beteiligungen in Frankreich, Italien und der Türkei wurden, wie berichtet, abgestoßen. Übrig sind nur noch die bayerischen Inn-Kraftwerke, die vom Kerngeschäft Wasserkraft (Austrian Hydro Power; AHP) mitbetreut werden (könnten).

Erfolg von "Move" unbekannt

Kündigungen will der zu zwei Dritteln im Staatsbesitz stehende Verbund auch weiterhin nicht aussprechen, wie stets betont wird. Die Restrukturierung solle sozial gestaltet und mit freiwilligen Abfertigungen abgefedert werden. Dienstnehmern, denen beispielsweise die vom Arbeitsmarktservice geförderte Altersteilzeit schmackhaft gemacht werden soll, werden komplett gestellt, müssen also bis zu fünf Jahre lang nicht an ihrem Arbeitsplatz erscheinen.

Wie erfolgreich der für das laufende Sparprogramm samt Konzern-Arbeitsmarkt "Move" läuft, gilt als Geheimnis. Insgesamt sollten damit 250 Dienstposten wegrationalisiert werden. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 8.11.2014)

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