Insekten könnten genauso früh an Land gegangen sein wie die Pflanzen

8. November 2014, 17:58
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Großprojekt zum Stammbaum der Insekten: Forscher gehen Insekten-Evolution mittels "molekularer Uhr" nach

Wien - Mit beinahe einer Million Spezies bilden Insekten die mit Abstand artenreichste Klasse des Tierreichs. Den Stammbaum dieser prägenden Tiergruppe hat nun ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung so akkurat wie nie zuvor gezeichnet. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht.

Die am Großprojekt "1KITE" ("1000 Insect Transcriptome Evolution") beteiligten Forscher unter der Leitung von Bernhard Misof (Zoologisches Forschungsmuseum, Bonn, Deutschland), Karl Kjer (Rutgers Universität, USA) und Xin Zhou (Beijing Genomics Institute, China) verglichen dafür die Sequenzen 1.478 aktiver Gene in 144 Arten sämtlicher Insektenordnungen.

Mit diesen Daten erstellten sie einen Stammbaum, dessen "molekulare Uhr" sie mit vorhandenen Fossilfunden kalibrierten. "Damit konnten etwa die Schlüsselereignisse der Insekten-Evolution genau datiert werden", sagt Nikolaus Szucsich vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien.

Sechsbeinige Pioniere

So verlegten die Forscher etwa gegenüber früheren Abschätzungen das Zeitfenster "um einiges" nach vorne, in dem die Insekten vom Meer aus Land und Süßwasser erobert hatten, erklärte Szucsich. "Bis jetzt wurde der Landgang der Pflanzen weit vor jenem der Insekten datiert, doch es scheint, dass dies - ein paar Millionen Jahre auf oder ab - etwa zur selben Zeit passierte", sagte er.

Die ersten Insekten entstanden laut den Analysen vor 480 Millionen Jahren im frühen Ordovizium, und fliegen lernten manche von ihnen im Devon vor 400 bis 410 Millionen Jahren, so Szucsich. "Die nächste Tiergruppe, die sich in die Lüfte erhob, waren 200 Millionen Jahre später die Pterosaurier, die Insekten waren bis dahin quasi die alleinigen 'Herrscher der Lüfte", erklärte er.

Im sogenannten Mississippium, also dem frühen Karbon vor rund 350 Millionen Jahren, entwickelte sich schließlich die charakteristische Metamorphose - also dass Insekten zunächst ein Larvenstadium durchlaufen, in dem das Tier völlig anders aussieht als in erwachsenem Zustand. (APA/red, derStandard.at, 8. 11. 2014)

  • Ein feinmechanisches Meisterwerk, von dem Robotiker nur träumen können: eine Kamelhalsfliege (Dichrostigma flavipes).
    foto: dr. oliver niehuis, zfmk, bonn

    Ein feinmechanisches Meisterwerk, von dem Robotiker nur träumen können: eine Kamelhalsfliege (Dichrostigma flavipes).

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