Jungärzte: Aufregung um ungültige Prüfungen

7. November 2014, 18:31
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Im Ausland abgeschlossene Facharzt- oder Allgemeinmedizinerprüfungen werden ab 2015 nicht mehr anerkannt

Wien - Ein Passus in der Ende September im Ministerrat beschlossenen Novelle des Ärztegesetzes sorgt jetzt unter Jungmedizinern für erhebliche Aufregung. In der Novelle ist nämlich vorgesehen, dass im Ausland abgeschlossene Facharzt- und Allgemeinmediziner-Prüfungen in Österreich nicht mehr automatisch anerkannt werden.

In einem entsprechenden Schreiben der "Akademie der Ärzte" - die für die medizinische Bildung zuständige Institution der Ärztekammer - werden angehende Mediziner informiert, dass "im Zuge der Ärztegesetznovelle die Bestimmung der Anrechnung von im Ausland absolvierter Prüfungen auf die Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin oder Facharztprüfung ersatzlos gestrichen wird". Ärzte, die etwa in Deutschland eine Abschlussprüfung ablegen, müssen sie also künftig in Österreich wiederholen.

Höhere Prüfungsstandards

Der Präsident der Akademie der Ärzte, Peter Niedermoser, argumentiert im Standard-Gespräch, dass heimische Prüfungsstandards eben höher seien. Auch hätten sich Ärzte, die in Österreich bei Prüfungen "durchgeflogen" sind, in Deutschland einen womöglich leichteren Examensabschluss geholt.

Philipp Wimmer von der "Plattform für Jungmediziner in Österreich" kritisiert, dass nun mit Druck versucht werde, Ärzte in Österreich zu halten. Es werde aber nicht gelingen, mit der Novelle die Flucht von Medizinern ins Ausland zu stoppen. "Im Gegenteil, die Abwanderung wird sich verstärken", sagt Wimmer.

Mehr Geld für Kärntner Ärzte

Um den drohenden Ärztestreik abzuwenden, ist die Kärntner Landesregierung am Freitag den Spitalsärzten finanziell entgegengekommen: Zusätzliche 13,5 Millionen Euro will das Land bei den Gehältern drauflegen, was eine Erhöhung der Grundgehälter um 15 Prozent bedeutet. Damit soll die ab 2015 gültige kürzere Ärztearbeitszeit abgegolten werden. Aus Sicht der Ärztekammer ist das Angebot unzureichend. (Walter Müller, DER STANDARD, 8.11.2014)

  • Die Abwanderung junger Ärzte werde sich in Zukunft noch verstärken, glauben Interessensvertreter.
    foto: apa/dpa/daniel naupold

    Die Abwanderung junger Ärzte werde sich in Zukunft noch verstärken, glauben Interessensvertreter.

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