Rubel-Kollaps fordert Notenbank

7. November 2014, 15:44
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Der Chefökonom der ING Bank in Moskau spricht von einer "ausgewachsenen Panik" mit Anzeichen einer "sich verselbstständigenden Währungskrise"

Moskau - Der drastische Verfall des russischen Rubel setzt die Zentralbank zunehmend unter Druck. Am Freitag rutschte die Landeswährung den dritten Tag in Folge auf ein Rekordtief ab. Ein Dollar verteuerte sich zeitweise um bis zu 3,8 Prozent auf 48,65 Rubel. Spekulationen auf weitere Hilfen der Notenbank ließen den Rubel-Kurs anschließend aber wieder steigen.

Auch die russischen Aktienwerte gerieten zwischenzeitlich ins Rutschen. Der Moskauer Leitindex RTS, dessen Werte in Dollar notiert werden, fiel um bis zu 3,7 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief von 979,49 Punkten, bevor er sich wieder knapp in die Gewinnzone rettete. Auslöser der Kursverluste waren die mangelnden Stützungskaufe der Währungshüter.

Die Notenbanker hatten am Mittwoch mitgeteilt, dass sie die täglichen Rubel-Ankäufe auf 350 Millionen Dollar begrenzen wollen - das ist nur noch ein Bruchteil dessen, was sie in den vergangenen Wochen in die Hand genommen hatte, um die Talfahrt abzubremsen. Die russische Zentralbank interveniert automatisch am Devisenmarkt sobald der Kurs eines Währungskorbs aus Euro und Dollar eine bestimmte Spanne überschreitet.

"Ausgewachsene Panik"

Am Freitag machten dann Spekulationen über weitere Maßnahmen der Notenbank die Runde, nachdem Reuters unter Berufung auf Insider über eine Krisensitzung der Zentralbank berichtet hatte. Der Rubel-Kurs vollführte daraufhin eine Kehrtwende - der Dollar verlor 1,9 Prozent auf 45,94 Rubel. "Wir haben eine ausgewachsene Panik, mit Anzeichen einer sich verselbstständigenden Währungskrise", sagte Dmitry Polevoy, Chefökonom Russland bei der ING Bank in Moskau. "In solchen Zeiten sollte die Zentralbank intervenieren - wenn das kein Risiko für die Finanzstabilität ist, was dann?"

Seit Jahresbeginn haben der Rubel und der RTS-Index jeweils mehr als 30 Prozent verloren. Die russische Wirtschaft leidet unter den Folgen von Sanktionen, die der Westen gegen das Land wegen dessen Rolle im Ukraine-Konflikt verhängt hat. Russische Unternehmen müssen verstärkt Dollar kaufen, weil sie vom direkten Zugang zu den internationalen Finanzmärkten abgeschnitten sind. Außerdem leidet die Wirtschaft unter dem Preisverfall des wichtigsten Exportguts Rohöl. (APA, 7.11.2014)

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