Frau De Block lässt nichts anbrennen

Kolumne7. November 2014, 17:00
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Ein Votum für pfundige Ministerinnen

Das ist sicher kein Zufall. Seit Jahren ruht der Blick des Krisenkolumnisten wohlgefällig auf den Gesundheitsministerinnen Kdolsky und Oberhauser, doch jetzt hat er aus den Medien erfahren, dass es in diesem Amt manchmal noch sehr viel pfundiger zugehen kann.

Die Rede ist von der neuen belgischen Gesundheitsministerin mit dem genialen Namen Maggie De Block, welche glaubwürdig den Eindruck vermittelt, sie halte sich genau an Steffie Wergers Motto "Rund und Xund" (bzw. "Rund und Xundheitsministerin"). Schön und stilvoll auch, dass diese substanzielle Erscheinung aus Belgien kommt. Denn seit dem Videomitschnitt von Ernst Strassers feuchtfröhlichem Bestechungsgelage weiß das Publikum in Österreich ja: Nirgendwo in Europa wird lustvoller gepapperlt und gepipperlt als in Brüsseler Beisln.

Frau De Block sorgt höchstpersönlich dafür, dass in Belgien nichts anbrennt, die Moules und Frites dort landen, wo sie hingehören, vom Flammekueche nichts überbleibt, das Mort Subite bis zum letzten Tropfen geleert wird und der Absatz der belgischen Confiserien nicht kurz kommt: Für ein Dutzend Pralinen von Neuhaus muss immer noch Platz sein! Kein Wunder, dass Belgierinnen und Belgier ihre Gesundheitsministerin fest ins Herz geschlossen haben: je beleibter, desto beliebter.

Möglicherweise mag nun mancher Leser vermuten, in dieser Kolumne würde ein ironischer Ton angeschlagen, aber dem ist nicht so. Beileibe nicht. Erstens gäbe der Krisenkolumnist in seinen stärkeren Phasen selbst einen stattlichen Gesundheitsminister ab. Zweitens liegt es auf der Hand, dass endlich politische Gegengewichte (!) zu jenen Spaghettimodels her müssen, die sich von einem Grashalm und einem Tautropfen pro Tag ernähren und mit ihrer mageren Haut-und-Knochen-Performance auf dem Catwalk als "Vorbilder" dafür sorgen, dass unseren Bulimie-Bataillons der Nachschub nie ausgeht.

Das scheint man in der EU begriffen zu haben. Wahrscheinlich ist schon eine neue Richtlinie in Arbeit, die gewährleisten soll, dass auch künftige Gesundheitsministerinnen der Union nicht vom Fleisch fallen. Gut so. Sich um den Krümmungsradius der Gurken zu kümmern und das Mindestgewicht der Minister unreguliert zu lassen, das würde auch hinten und vorn nicht zusammenpassen. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 8./9.11.2014)

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