Prozess in Linz um 16-fachen Mord in Bosnienkrieg

7. November 2014, 12:56
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Aus Bosnien stammender Oberösterreicher angeklagt - Staatsanwaltschaft wirft ihm auch dreifachen Mordversuch und Brandstiftung vor

Linz - Ein aus Bosnien-Herzegowina stammender, 46-jähriger Oberösterreicher muss sich demnächst in Linz wegen 16-fachen Mordes, dreifachen Mordversuchs sowie Brandstiftung vor Gericht verantworten. Er soll während des jugoslawischen Bürgerkriegs an einem Überfall von Bosniaken (Muslimen) auf das von Serben bewohnte Dorf Serdari teilgenommen haben, wie die Staatsanwaltschaft Linz am Freitag mitteilte.

Der Beschuldigte, für den die Unschuldsvermutung gilt, wird verdächtigt, einer Militäreinheit angehört zu haben. Die Gruppe soll das Dorf zunächst tagelang ausgespäht und in den frühen Morgenstunden des 17. September 1992 - ausgerüstet mit halbautomatischen Waffen und Sprengmitteln - überfallen haben. 16 Zivilisten, darunter zwei Kinder, seien gezielt getötet worden, so die Staatsanwaltschaft. Drei weitere Opfer überlebten das Massaker knapp. Dann soll die Gruppe elf Häuser niedergebrannt haben.

Geplanter Racheakt

Die Anklage sieht in dem Überfall einen geplanten Racheakt für Gewalttaten von Serben. Die Sache sei demnach exakt geplant worden: Mehrere militärisch organisierte Einheiten hätten jeweils bestimmte Aufgaben übernommen, etwa das Auskundschaften oder die Sicherung des Rückzugs. Der Angeklagte habe jener Gruppe angehört, die den eigentlichen Angriff ausführte.

Da der 46-Jährige österreichischer Staatsbürger ist, wurde er nicht ausgeliefert, sondern muss sich in Linz vor Gericht verantworten. Mehrere Mittäter wurden im Jänner von einem Gericht in Bosnien verurteilt. Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrer mehr als 200 Seiten umfassenden Anklageschrift auf die Protokolle und Beweisergebnisse aus diesem Verfahren. Mindestens 23 Zeugen sollen gehört werden. Dem Beschuldigten drohen im Fall einer Verurteilung fünf bis 20 Jahre Gefängnis. Zu lebenslanger Haft kann er nicht verurteilt werden, weil die Taten dafür bereits zu lange zurückliegen. (APA, 7.11.2014)

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