Nette Kollegen, zu wenig Geld

14. November 2014, 11:36
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Geringe Karrierechancen schlagen sich auf die Arbeitszufriedenheit. Mit dem aktuellen Arbeitsmarktbarometer der Allianz Versicherung wurde die Stimmung von berufstätigen Migranten abgefragt

Die aktuellen Arbeitsmarktdaten machen es deutlich. Von der steigenden Arbeitslosigkeit sind besonders Ausländer betroffen. Im Oktober waren 82.244 Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft arbeitssuchend gemeldet, das ist ein Zuwachs von gut 22 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die Arbeitslosenquote bei Ausländern liegt bei über zehn Prozent, insgesamt bei knapp über acht Prozent.

Auch im Allianz-Arbeitsmarktbarometer zur Berufszufriedenheit von Migrantinnen und Migranten in Österreich wird diese Einschätzung sichtbar. Über sechzig Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund sind, so die Umfrage, von den ihnen gebotenen Karriereperspektiven enttäuscht, gut ein Drittel sieht sich aufgrund ihrer Herkunft zurückgesetzt. Knapp vierzig Prozent finden, dass ihnen weniger verantwortungsvolle Aufgaben übertragen werden als gleich qualifizierten Personen ohne Migrationshintergrund. Für den Arbeitsmarktbarometer wurden fünfhundert Personen der ersten und zweiten Generation im Alter zwischen 15 und 65 Jahren online befragt.

Derzeit sind rund 728.000 Personen mit Migrationshintergrund in Österreich berufstätig. Nach dem Schulnotenprinzip beurteilen sie ihren Arbeitsplatz mit der Note 2,2, während die Gesamtbevölkerung mit 1,8 wertet. Unzufriedenheit herrscht neben fehlenden Karriereperspektiven vor allem beim Gehalt. Nur 47 Prozent der Befragten fühlen sich leistungsgerecht entlohnt.

Angenehmes Umfeld

Der Arbeitsalltag und das Arbeitsumfeld werden hingegen grundsätzlich positiv beurteilt. Die gute Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes und die netten Arbeitskolleginnen und -kollegen sind, so die Umfrage, die Faktoren, mit denen Migrantinnen und Migranten am zufriedensten sind. Aber nicht alle Herkunftsgruppen sind mit ihrem Berufsleben in Österreich gleich zufrieden. Personen mit türkischer Abstammung beklagen öfter als andere Diskriminierungen am Arbeitsplatz. Sie sind auch am stärksten an einer Karriere interessiert und streben auch eine Führungsposition im Unternehmen an.

Die Vollzeiterwerbsbeteiligung von Migrantinnen und Migranten ist mit 65 Prozent geringer als bei Österreichern (74 Prozent). Zuwanderer der ersten Generation arbeiten überwiegend in Produktionsbetrieben. Der Arbeiteranteil von Personen mit Migrationshintergrund liegt bei 45 Prozent, während österreichweit 23 Prozent der Erwerbstätigen Arbeiterinnen oder Arbeiter sind. In Österreich Geborene arbeiten mehrheitlich im Handel oder in der Gastronomie.

Sicherheit geht vor

Jobsicherheit hat einen hohen Stellenwert, und daher gibt es auch kaum einen Unterschied zu Personen ohne Migrationshintergrund bei den Branchen, in denen sie am liebsten arbeiten würden. An erster Stelle liegt die öffentliche Verwaltung, gefolgt vom Gesundheitswesen sowie Banken und Versicherungen.

Zur vollen Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz fehlt oft nur ein kleines Stück. Migranten fühlen sich bei Karriereperspektiven und Gehalt oft schlechtergestellt als Kollegen ohne Migrationshintergrund. (DER STANDARD, 8./9.11.2014)

  • Mit ihrem Arbeitsumfeld sind Personen mit Migrationshintergrund zufrieden, nicht aber mit ihren Karriereperspektiven.
    foto: www.istockphoto.com/becsteroony

    Mit ihrem Arbeitsumfeld sind Personen mit Migrationshintergrund zufrieden, nicht aber mit ihren Karriereperspektiven.

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