IT-Probleme: Innenministerium verliert Zugriff auf sensible Daten

7. November 2014, 16:40
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Zwei Terabyte an Dokumenten aktuell nicht zugänglich - Korruptionsbekämpfung und Polizei-Einheit Cobra betroffen

Seit 25. Oktober können mehrere Abteilungen des österreichischen Innenministeriums nicht mehr auf eine Reihe sensibler Daten zugreifen. Grund sind Probleme mit einem Server. Das berichtet die Tiroler Tageszeitung unter Verweis auf einen Informanten.

Zwei Terabyte an Dokumenten nicht zugänglich

Betroffen sind laut Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck sensible Archivdaten aus Ermittlungen des Bundesamts für Korruptionsbekämpfung sowie auch Daten der Direktion für Spezialeinheiten, etwa Einsatzpläne für die Polizei-Sondereinheit Cobra. Dass auch Dokumente von Verfassungsschutz und des Bundeskriminalamts auf dem Server liegen, dementiert Grundböck. Insgesamt geht es um ein Datenvolumen von rund zwei Terabyte, verrät man dem WebStandard.

Behebung in Kooperation mit Hersteller

Ebenso widerspricht er den Angaben des Informanten, dass zur Behebung der Probleme nun eigens Techniker anreisen. Die EDV-Abteilung des Innenministeriums widme sich in Kooperation mit dem Hersteller dem Problem, erklärt er. Um welches Unternehmen es sich beim Hersteller handelt und aus welchem Land er kommt, will das BMI aus Sicherheitsgründen nicht bekannt geben.

Mit der Inspektion des Problems habe man bereits begonnen, man sei zuversichtlich, in "absehbarer Zeit" wieder auf die eigenen Daten zugreifen zu können. Derweil könnte das Problem nachträglich zu internen Friktionen führen, so zeigte sich etwa die Korruptionsstaatsanwaltschaft auf Anfrage der TT überrascht und war offenbar nicht über die Probleme in Kenntnis gesetzt worden.

Defekte Smartcard

Auch bezüglich anderer Angaben gibt es Diskrepanzen zwischen den Angaben des ungenannten Ministeriums-Mitarbeiters und der Stellungnahme des BMI. Ersterer berichtete, dass es kein Backup-System gebe und bezüglich einer Anschaffung Uneinigkeit darüber herrsche, wer die Kosten dafür tragen solle. Laut Grundböck gibt es von den Serverdaten sehr wohl eine Sicherung.

Mit dieser lässt sich momentan aber ebenfalls nichts anfangen. Ursache des Problems soll ein Defekt im Smartcard-System sein, das als einer der Sicherheitsmechanismen für die Autorisierung des Zugriffs auf die Daten zum Einsatz kommt. Folglich ist es also den Mitarbeitern des Ministeriums derzeit nicht möglich, die auf dem Server gespeicherten Dokumente zu entschlüsseln. "Das ist wie bei einem Tresor, dessen Schlüssel abgebrochen ist", so der Sprecher.

Ermittlungen sollen nicht betroffen sein

Als "nicht erfreulich" bezeichnet Grundböck den Vorfall, der aber "keine dramatischen Auswirkungen" haben soll. Da es sich um Archivdaten handle, seien laufende und anstehende Ermittlungen nicht betroffen. (Georg Pichler, derStandard.at, 07.11.2014)

Update, 13:30 Uhr: Die technische Erläuterung des Defekts wurde präzisiert.

  • Auch Einsatzpläne der Polizei-Sondereinheit Cobra liegen auf dem Server, auf dessen Inhalt man aufgrund einer defekten Smartcard seit Ende Oktober nicht zugreifen kann.
    foto: apa

    Auch Einsatzpläne der Polizei-Sondereinheit Cobra liegen auf dem Server, auf dessen Inhalt man aufgrund einer defekten Smartcard seit Ende Oktober nicht zugreifen kann.

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