"Marktübliches Anwaltshonorar" für Kanzlei Lansky

7. November 2014, 10:15
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Opferverein zahlte 4,8 Millionen im Jahr an Anwaltskanzlei

Wien - Die Wiener Kanzlei Lansky, Ganzger & Partner (LGP) ist einer der juristischen Gegenspieler Rachat Alijews. Sie vertritt die kasachische Stiftung Tagdyr rund um die Angehörigen der mutmaßlichen Mordopfer. Österreichs Justiz sieht in Tagdyr eine Tarnorganisation des kasachischen Geheimdienstes; sie soll ja der Kanzlei 2009 bis 2012 mehr als 14 Mio. Euro gezahlt haben, um gegen Alijew vorzugehen. Zu diesen Zahlen nahm LGP bisher keine Stellung.

Aus "Mandats- und Rechtsberatungsverträgen" zwischen Tagdyr und Kanzlei erschließt sich Näheres. Im Vertrag vom 16. Juli 2009 wurde ein Jahreshonorar von 2,4 Mio. Euro fixiert, Barauslagen nicht inkludiert. Der Vertrag wurde auf ein Jahr abgeschlossen und sollte sich automatisch verlängern; weitere Kontrakte folgten aber. Vertragsgegenstand: die Erbringung von Rechtsberatungs- und Vertretungsleistungen.

Zusatzleistung Lobbying

In einer "Zusatzvereinbarung" vom 29. Jänner 2010 kam zu den Leistungen der Punkt Lobbying dazu, ebenso die Arbeit mit der Öffentlichkeit als Begleitung zu den Prozesshandlungen ... und allgemeine PR. Auch Zahlungsmodalitäten wurden wieder fixiert. Demnach sollte "der zweite Teilbeitrag von 2,4 Mio. Euro" nach Vertragsunterzeichnung überwiesen werden, bis 25. März 2010. An anderer Stelle in der Vereinbarung ist von sechs monatlichen Zahlungen à 600.000 Euro die Rede.

Weitere in Astana abgeschlossene Verträge gibt es von 1. August 2011 und 2012; die Jahresvertragssumme wurde mit je 4,8 Millionen Euro (monatlich 400.000 Euro) festgeschrieben. Anwalt Gabriel Lansky ("Die Honorardiskussion soll vom Doppelmordvorwurf ablenken") sagt zu den konkreten Zahlen nichts. Er verweist aber darauf, dass "in dieser umfangreichen Causa zahlreiche Anwälte seit Jahren tätig und die Honorare völlig marktüblich" seien. LGP beschäftige 120 Personen, viele davon seien in die Causa involviert.

Prominente Mitarbeiter

Stichwort Mitarbeiter: Seit Oktober sind auch Verfassungsrechtler Heinz Mayer, ehedem Dekan der juridischen Fakultät der Uni Wien, und Exdiplomat Wolfgang Petritsch für LGP tätig. (gra, DER STANDARD, 7.11.2014)

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