Herzklappen: Minimalinvasive Reparatur statt Operation 

7. November 2014, 09:31
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Die minimalinvasive Methode der Klappenreparatur "MitraClip" ist besonders für hochbetagte Patienten eine Alternative zur herkömmlichen Operation

Beim Kongress "Herzinsuffizienz - Update 2014" in Linz diskutieren Experten aktuelle Therapie-Entwicklungen: So etwa die Reparatur von Mitralklappen mittels eines minimal-invasiven, kathetergestützen Clip-Verfahrens, das sich als sicher und wirksam erwiesen hat. Das zeigt eine Zwischenbilanz des Krankenhauses der Elisabethinen Linz, das die Methode vor fünf Jahren als erstes Spital in Österreich eingesetzt hat.

Sicher und wirksam

"Unsere bisherigen Erfahrungen mit MitraClip machen deutlich, dass dieses Verfahren eine sichere und wirksame Methode ist", sagt Kardiologe Christian Ebner vom Krankenhaus der Elisabethinen Linz. Es war vor fünf Jahren das erste Spital Österreichs, das Herzklappen-Patienten das neue Clip-Verfahren zur Mitralklappen-Reparatur zugänglich gemacht hat. Inzwischen wird die Methode österreichweit in acht Spitälern angewendet. Bisher wurden hierzulande insgesamt knapp 240 Patienten mit der neuartigen Clip-Methode behandelt.

Bei dieser minimalinvasiven Alternative zur Herzklappen-Operation wird über die Leiste ein Katheter ins Herz vorgeschoben, an dessen Spitze sich der Clip befindet. Mit diesem werden die Mitralklappen-Segel verbunden und dabei die undichten Stellen, die für die Beschwerden verantwortlich sind, abgedeckt.

Hohe Erfolgsquote

Im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz wurden seit der Einführung des Verfahrens 2009 bereits 60 Patienten mittels MitraClip behandelt, berichtet Ebner. Sie waren im Durchschnitt 75 Jahre alt, hatten zahlreiche Begleiterkrankungen und zum Großteil eine hochgradig eingeschränkte Herzleistung. Erfolgreich abgeschlossen konnte der Eingriff bei 97 Prozent der Betroffenen werden - nur in zwei Fällen war es nicht möglich, den Clip adäquat zu platzieren. Es wurden zwischen einem bis maximal drei Clips pro Patient implantiert.

"Die Mitralklappen-Insuffizienz konnte bei 98 Prozent der Patienten durch den Eingriff signifikant reduziert werden", fasst der Experte Eckdaten der bisherigen Erfahrungen zusammen. Diese decken sich mit derzeit vorliegenden internationalen Ergebnissen (z.B. ACCESS-EU Registry).

Häufige Erkrankung

Die Mitralklappen-Schwäche ist eine häufige Herzerkrankung. Jeder Dritte, der einen Herzinfarkt überlebt, leidet in der Folge an einer Undichtheit der Mitralklappe. Wird die Schädigung zu groß, muss das Herz deutlich mehr arbeiten und es kommt zu einer Beeinträchtigung des Herzmuskels mit Wassereinlagerungen, Luftnot, Müdigkeit und stark eingeschränkter Belastbarkeit.

Wie bei der Herzschwäche generell, steigt das Risiko für eine Klappenerkrankung mit dem Alter deutlich an: Sind bei den 55jährigen nur rund zwei Prozent betroffen, sind es unter den 75jährigen bereits 13 Prozent. "Dass sich die minimalinvasive Methode der Klappenreparatur nicht nur in Studien, sondern auch in der klinischen Praxis bewährt hat, ist von besonderer Bedeutung. Denn bei vielen Patienten ist wegen des hohen Alters und zahlreichen Begleiterkrankungen die herkömmliche Operation am offenen Brustkorb nicht möglich", so Ebner.

Alternative zur herkömmlichen Operation

Nur die Hälfte aller Patienten, die einen Eingriff benötigen würden, können auch tatsächlich operiert werden, bei den anderen sei wegen des hohen Alters oder aufgrund von Begleiterkrankungen das Risiko zu hoch.

Ebner wünscht sich, dass noch mehr Mitralklappen-Patienten von dem neuen Verfahren profitieren können: "Eine Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Krankenhäuser diese Methode auch refundiert bekommen und nicht aus eigenen Mitteln tragen müssen. Derzeit gibt es allerdings im Rahmen der Krankenanstalten-Finanzierung dafür noch keine Abrechnungsposition." (red, derStandard.at, 7.11.2014)

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