Ex-Navy-Seal will bin Ladens Todesschütze gewesen sein

7. November 2014, 09:24
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Robert O'Neill sagt, er wollte Enttarnung durch Dritte zuvorkommen - US-Militärführung ist verärgert

Washington - Früher als erwartet ist in den USA der Name des Soldaten enthüllt worden, der Al-Kaida-Chef Osama bin Laden vor dreieinhalb Jahren erschoss. Der 38-jährige Robert O'Neill, einst Angehöriger der US-Spezialeinheit Navy Seals, gab am Donnerstag in einem Interview mit der "Washington Post" seine bisher streng gehütete Identität preis.

O'Neill ist allerdings nicht der Erste, der behauptet, die tödlichen Schüsse auf bin Laden abgegeben zu haben. Bereits 2011 hat der ehemaliger Navy Seal Matt Bissonnette behauptet, er sei an der Tötung von Osama bin Laden beteiligt gewesen. Bissonnette hat auch ein Buch darüber geschrieben und nennt darin einen dritten möglichen Schützen.

Drohende Enttarnung

O'Neill sagte, er habe sich wegen seiner drohenden Enttarnung durch Dritte entschlossen, in einer TV-Dokumentation aufzutreten, die der Sender Fox News kommende Woche ausstrahlen will. Der Sender hatte Ende Oktober angekündigt, die Identität des Todesschützen von bin Laden zu enthüllen. In der zweiteiligen Produktion mit dem Titel "The Man Who Killed Osama Bin Laden" rekonstruiert der Sender nach eigenen Angaben minutiös, wie der Anführer des islamistischen Terrornetzwerks im Mai 2011 in seinem Versteck im pakistanischen Abbottabad von einem Seal-Kommando getötet wurde.

Protest

Die von ehemaligen Seal-Kameraden betriebene Internetseite Sofrep hatte O'Neills Identität daraufhin vorzeitig enthüllt – aus Protest gegen dessen geplanten Schritt an die Öffentlichkeit. Auch die offenkundig verärgerte US-Militärführung hatte die Soldaten der Eliteeinheit zur Verschwiegenheit ermahnt, nachdem die Ausstrahlung der TV-Sendung angekündigt worden war.

O'Neill erzählte der "Washington Post", er habe bei dem Geheimeinsatz in Abbottabad an zweiter Stelle des Seals-Kommandos gestanden, das in bin Ladens Versteck eindrang. Als der Al-Kaida-Chef an der Tür seines Schlafzimmers auftauchte, habe der Frontmann des Kommandos ihn mit seinem Schuss zunächst verfehlt.

"Hineingerollt"

Hinter seinem Mitkämpfer sei er dann "in den Raum hineingerollt", schilderte O'Neill die letzten Sekunden im Leben des damals meistgesuchten Mannes der Welt. "Da stand er dann, bin Laden. Er hatte seine Hände auf den Schultern einer Frau, die er vor sich schob." Durch sein Nachtsichtgerät habe er bin Laden trotz des dunklen Raums eindeutig identifizieren können und abgedrückt, sagte O'Neill.

Laut der "Washington Post" hat der Ex-Seal, der fast 15 Jahre lang in der Spezialeinheit gedient hatte, lange mit sich gerungen, ob er überhaupt an die Öffentlichkeit gehen sollte. Letztlich habe sich O'Neill dafür entschieden, da seine Identität in Militärkreisen sowie einigen Kongressabgeordneten und zwei Medienorganisationen bekannt gewesen sei und deshalb ohnehin aufzufliegen drohte. Außerdem hätten Hinterbliebene der Opfer von 9/11 dem Kampfveteranen O'Neill nach dessen Worten gesagt, dass es ihnen "helfen würde", mit ihren Erinnerungen abzuschließen, wenn er über das blutige Ende bin Ladens spreche.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatte sich der Al-Kaida-Chef mehr als neun Jahre lang in Pakistan versteckt. Im Frühjahr oder Sommer 2002 floh er vor der internationalen Militärinvasion in Afghanistan über die Berge, blieb aber zunächst in den Grenzregionen Swat und Haripur. 2005 bezog er dann mit seiner Familie ein großes Haus in der nordwestpakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad. Dort lebte er trotz der weltweiten Suche nach ihm jahrelang unbehelligt – bis er schließlich 2011 bei dem US-Kommandoeinsatz getötet wurde. (APA, 6.11.2014)

  • Robert O'Neill, Ex-Seal.
    foto: ap photo/the montana standard, walter hinick

    Robert O'Neill, Ex-Seal.

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