250 Menschen bei blauem Kampf gegen Wiener Islam-Schule

Video6. November 2014, 21:06
504 Postings

Freiheitliche riefen nach Simmering – Kundgebungen von FP und linken Demonstranten verliefen friedlich

Der Bau sei eigentlich als Kindergarten angekündigt worden, sagte der Wiener FP-Gemeinderat Manfred Hofbauer bei der Protestkundgebung gegen eine geplante Imam-Schule in Wien-Simmering. In Wirklichkeit werde es eine "türkische Privatschule, wo islamistische Hassprediger ausgebildet werden sollen".

derstandard.at/von usslar

Wiens FP-Klubchef Johann Gudenus legte als Hauptredner am Donnerstagabend vor etwa 250 Menschen, die zur FP-Veranstaltung vor der Schulbaustelle gekommen waren, nach. "Religionsfreiheit ist ein hohes Gut. Es darf nicht als Denkmal für den politischen Islam missbraucht werden." Gudenus forderte Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) erneut zum Rücktritt auf. Die Kundgebung verlief friedlich und löste sich rasch auf. Es blieb trotz Befürchtungen im Vorfeld vorerst auch ruhig, als wenig später etwa 100 Demonstranten einer linken Gegenkundgebung eintrafen. "Stoppt die Muslimhetze", schrien diese.

Schon am Vormittag hatte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erklärt, dass der Protest nicht gegen den Islam gehe. Man kämpfe "gegen den radikalen Islamismus, den politischen Islamismus", der eine "wirre, gefährliche, aber auch faschistoide Ideologie" verbreite. Die Parteijugend von Rot und Grün würde "für den radikalen Islam eintreten", richtete er den Organisatoren der Gegendemons tration aus.

Dabei hatte die Wiener SP vor Beginn der Demo ihren Appell an die Freiheitlichen erneuert, die Kundgebung abzublasen. "Jene vielkritisierte Imam-Schule wird es in der Form nie geben", sagte Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler.

foto: cremer
FP-Klubchef Johann Gudenus sprach bei der Kundgebung gegen den geplanten Bau einer Imam-Schule in Simmering vor 250 Menschen.

Die Islamische Föderation, die für den Bau der Imam-Schule verantwortlich ist, strebt eine Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht an. Die Unterzeichnung eines Staatsvertrags zur Anerkennung eines ausländischen Schultyps – wie etwa beim Lycée Français – lehnte hingegen Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) bereits ab. Laut Yakup Geçgel, Sprecher der Islamischen Föderation, gehe man nicht davon aus, den Betrieb im kommenden Schuljahr starten zu können. Die Aufregung um die Schule verstehe er nicht.

Die Freiheitlichen kämpfen jedenfalls weiter für das Aus. Strache wie Gudenus warfen der Regierung und der Stadt Versagen vor, zu lange habe man radikalisierenden Elementen freie Hand gelassen. Dass daran das neue, umstrittene Islamgesetz etwas ändern wird, glaubt Strache nicht. Es fehle etwa die Verpflichtung, dass in Moscheen auf Deutsch gepredigt und in Schulen auf Deutsch gelehrt werde.

Hinter die Kritik der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) am geplanten Islamgesetz stellten sich am Donnerstag zwölf Organisationen – darunter Atib (Türkisch-Islamische Union), Vertreter von Schiiten, die Islamische Föderation oder die Union Islamischer Kulturzentren. Der Klagsverband wies in einer eigenen Stellungnahme darauf hin, dass das geplante Gesetz den Gleichheitsgrundsatz verletze. Vertreter der Evangelischen Akademie Wien, der Katholischen Sozialakademie und des Privaten Studiengangs für das Lehramt für Islamische Religion forderten einen Diskussionsprozess. Das Gesetz dürfe nicht voreilig verabschiedet werden. (pm, krud, DER STANDARD, 7.11.2014)

Share if you care.