OMV-Investitionen auf dem Prüfstand

6. November 2014, 18:49
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Der Konzern stellt sich auf längerfristig tiefere Ölpreise ein und rechnet gerade verschiedene Szenarien durch

Wien - Der Streit in der Führungsetage der OMV über die Neuausrichtung des Konzerns wird flankiert von einem denkbar schlechten Marktumfeld. Weil die Rohölpreise stark eingebrochen sind und ein Ende der Schwächephase nicht in Sicht ist, steigt die Konzernspitze nun bei den Investitionen auf die Bremse.

"Wir sind dabei, verschiedene Szenarien zu erstellen für Ölpreise um 80, 90 oder 95 Dollar je Fass", beantwortete OMV-Chef Gerhard Roiss am Donnerstag in einer Videokonferenz eine E-Mail-Anfrage des STANDARD. Grund für die Videokonferenz, an der nur schriftlich eingereichte Fragen beantwortet wurden, waren die selbigen Tages präsentierten Neunmonatszahlen. Der Umsatz ging um zwölf Prozent auf 28,23 Mrd. Euro zurück, der operative Gewinn (Ebit) der OMV brach um 41 Prozent auf 1,478 Mrd. Euro ein. Unterm Strich blieb ein Periodenüberschuss von 957 Mio. Euro, 43 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2013.

Spätestens im 1. Quartal 2015 soll nun feststehen, bei welchen Investitionsprojekten wie viel eingespart werden soll. Die Tiefe der Einschnitte wird von der weiteren Entwicklung der Rohölpreise abhängen. Fällt der Rohölpreis aufs Jahr gerechnet um einen Dollar je Fass (159 Liter), koste das die OMV rund 40 Mio. Euro an Gewinn (Ebit), sagte Roiss, der seinen Posten, wie berichtet, vorzeitig im Juni 2015 räumen wird.

Brent wird billiger

Kostete die für Europa maßgebliche Nordseesorte Brent vor vier Monaten noch 115 Dollar je Fass (159 Liter), sind es inzwischen nur mehr 83 Dollar. Unter Roiss wurden die Investitionen in die Exploration und die Förderung von Öl und Gas kräftig von vorher 2,8 auf durchschnittlich 3,9 Mrd. Euro ausgeweitet. Am Ziel von 400.000 Fass Öläquivalent pro Tag halte man fest, allerdings könnte es nun sein, das man diese Produktionsmenge nicht, wie geplant, 2016 erreiche, sondern erst später. Im 3. Quartal 2014 kam die OMV auf eine durchschnittliche Tagesproduktion von 311.000 Fass.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec), die am 27. November bei einer Konferenz in Wien die Förderquoten für die Wintermonate festlegen will, ist indes optimistisch, was die Entwicklung der Energienachfrage betrifft - zumindest langfristig. Bis 2040 werde der Energiebedarf nicht zuletzt wegen der weiter ansteigenden Weltbevölkerung um 60 Prozent zunehmen. Öl werde dann immer noch 24,3 (derzeit: knapp 32) Prozent des Primärenergiebedarfs decken, geht aus dem am Donnerstag präsentierten World Oil Outlook hervor. (stro, DER STANDARD, 7.11.2014)

  • Spürt scharfen Gegenwind: OMV-Chef Gerhard Roiss
    foto: apa

    Spürt scharfen Gegenwind: OMV-Chef Gerhard Roiss

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