Reset für das Gold der schnellen Eisläufer

7. November 2014, 09:15
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20 Jahre nach den letzten großen Erfolgen werden wieder goldene Zeiten für Österreichs Eisschnelllauf angekündigt

Wien - Selbstbeschwörung ist kein Erfolgsgarant, aber bei der Dichte, in der es in einem Wiener Innenstadtrestaurant das Wort Gold hagelte, schien es fast schon greifbar, dieses Gold. Und zwar in Form einer Medaille, die Österreichs Eisschnelllauf im Jahr 2018 anlässlich der Olympischen Spiele in Pyeongchang, Südkorea, holen will, nein, wird.

Ermöglichen soll das ein sogenannter "Reset" des Verbands, der schon im Frühjahr mit der Wahl von Ernst Falger zum Präsidenten begann. Der 61-jährige Tiroler löste Manfred Zojer (75) ab, der mit Unterbrechungen beinahe drei Jahrzehnte lang die Geschicke des Eisschnelllaufverbands (ÖESV) bestimmt hatte, gegen Ende unter Umständen, die nicht friktionsfrei genannt werden konnten.

Allerdings hatte der Eisschnelllauf, in Österreich durchaus ein Traditionssport, unter dem Kärntner Zojer auch seine letzten Blüten erlebt - mit Olympiagold- und -silber durch Emese Hunyady 1994 in Lillehammer (nach Bronze schon 1992 in Albertville) sowie davor mit Olympiasilber- und -bronze durch Michael Hadschieff 1988 in Calgary.

Hadschieff, Österreichs Sportler des Jahres 1986, mittlerweile 51 Jahre alt und Sportdirektor im quasi zurückgesetzten Verband, der sich zur Demonstration des Neuaufbruchs auch Austrian Ice Racers (A.I.R.) nennt, blickt wohl bewusst lieber auf die positiven, also auch seine Geschichten zurück. Dass es nach Hunyady mit dem österreichischen Eisschnelllauf steil bergab ging, erklärt der Innsbrucker mit natürlichen Wellenbewegungen, denen Randsportarten nun einmal unterworfen seien. Und schon auch mit Versäumnissen in der Nachwuchsarbeit sowie in infrastrukturellen Belangen. Schließlich gibt es österreichweit nur noch eine - und nicht einmal tadellose - Bahn, nämlich in Innsbruck.

Hoffnungsträgerin Vanessa Bittner

Dort zieht aber jene Athletin ihre Runden, die jetzt das Wort Gold aus allen berufenen Mündern schlüpfen lässt. Die 19-jährige Innsbruckerin Vanessa Bittner, 2013 in Klobenstein/Collalbo über 1000 Meter Österreichs allererste Juniorenweltmeisterin und im Jahr darauf bei den Weltmeisterschaften in Bjugen, Norwegen, auch über 500 Meter erfolgreich, führt eine vierköpfige Athletengruppe an, die tatsächlich zu den schönsten Hoffnungen Anlass gibt. Die Olympia-Starterin von Sotschi und ihre Alterskollegen Armin Hager (20, Junioren-Vizeweltmeister) und Linus Heidegger (20) profitieren von der Erfahrung des in den Niederlanden geborenen Routiniers Bram Smallenbroek (27), der als Fünfter des neuen Massenstartweltcups vom Quartett den bisher größten Erfolg unter den, nun ja, Großen vorzuweisen hat. Trainiert wird die Gruppe des Union Speedskating Club Innsbruck seit einigen Jahren von Hannes Wolf, der den von Hadschieff geprägten Slogan "Auf die Kufe, fertig, Gold" verinnerlicht hat. Bittner habe "wirklich Top-Top-Chancen".

Der Sportdirektor sieht seine vornehmste Aufgabe darin, die bestmöglichen Bedingungen zu bieten. Das medizinische und psychologische Umfeld sei noch nicht ideal. All das ist auch eine Geldfrage. Aus der Ära Zojer seien Schulden in Höhe von 30.000 bis 40.000 Euro geblieben, 2015 hofft Hadschieff, mit einer "roten Null" bilanzieren zu können. Der ÖESV wird gefördert und befindet sich auch unter jenen 25 von der Bundes-Sportkonferenz extra honorierten Verbänden. Das zeige die Güte der jüngeren Arbeit, "wie immer diese Berechnung auch zustande gekommen ist".

Auch Emese Hunyady soll noch eingebunden werden, allerdings lebt die Olympionikin mit ihrer Familie in der Schweiz, ihr finnischer Ehemann ist Coach der eidgenössischen Eisschnellläufer. À la longue kann aber die quasi Berufenste nicht fehlen, wenn es um die Wurst, also Gold geht. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 7.11.2014)

  • Vanessa Bittner war im vergangenen Februar in Sotschi olympisch noch unter "ferner liefen". 2018 in Pyeongchang, Südkorea, soll sie es Emese Hunyady nachmachen und Gold holen.

    Vanessa Bittner war im vergangenen Februar in Sotschi olympisch noch unter "ferner liefen". 2018 in Pyeongchang, Südkorea, soll sie es Emese Hunyady nachmachen und Gold holen.

  • Bitter in Action.
    foto: apa/fohringer

    Bitter in Action.

  • "Auf die Kufen, fertig, Gold", sagt Michael Hadschieff.
    foto: apa/pfarrhofer

    "Auf die Kufen, fertig, Gold", sagt Michael Hadschieff.

  • michael hadschieff

    Die Austrian Ice Racers stellen sich vor.

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