Mia Love: Frischzellenkur für die Grand Old Party

Kopf des Tages6. November 2014, 17:21
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Die erste schwarze Republikanerin im US-Kongress

Freiheit, wie Mia Love sie versteht, heißt vor allem, kein Opfer zu sein. Nicht die Regierung um Hilfe bitten, sondern der Heimat etwas zurückgeben, lautet ihr Credo.

So habe sie es von ihren Eltern gelernt, die in den 1970er-Jahren den Häschern des haitianischen Regimes nach New York entflohen. Love, 38 Jahre alt, konvertierte Mormonin, wird als erste schwarze Republikanerin in den neu gewählten US-Kongress einziehen, wo sie den vierten Wahlbezirk des konservativen Utah vertritt. Ihre Biografie scheint wie gemacht für die Hoffnung der Republikaner, sich vom Image der weißen Altherrenpartei zu lösen - und Barack Obamas Demokraten afroamerikanische Wähler abspenstig zu machen.

Auch ihre Linientreue empfiehlt die dreifache Mutter in den Augen vieler Republikaner für höhere Weihen: Obamas Gesundheitsreform will sie abschaffen, sie lehnt Abtreibungen ab und wehrt sich gegen jeden Versuch, die Waffengesetze zu verschärfen. Und während ihre Familie einst von großzügigen Immigrationsgesetzen profitierte, spricht sie sich heute für eine härtere Gangart gegenüber Einwanderern aus. Ihre Eltern hätten es aus eigener Kraft geschafft, lautet ein immer wiederkehrendes Narrativ des amerikanischen Traums nach Loves Lesart.

Nach ihrem Kunststudium in Connecticut verdingt sie sich als Schauspielerin und Flugbegleiterin, bevor sie Mormonin wird und ihrem Mann, den sie während eines Gottesdienstes kennenlernt, nach Utah folgt. Dort beginnt sie ihren Marsch durch die Institutionen, an dessen Wegmarken meist das Attribut der Erstmaligkeit steht.

2003 zieht sie als erste schwarze Frau in den Stadtrat des Provinznests Saratoga Springs ein; sechs Jahre später wird sie die erste schwarze Bürgermeisterin Utahs. 2012 betritt Mia Love mit einer Rede auf dem Parteitag in Tampa erstmals die nationale Bühne. Kurz darauf scheitert ihr erster Anlauf, in den Kongress einzuziehen, knapp. Exakt 768 Stimmen fehlen ihr damals zum Sieg.

Love hat aus der Niederlage gelernt, gestaltet ihren Wahlkampf leiser im Ton, sucht den Kontakt zum Wahlvolk, statt um die Aufmerksamkeit der Medien zu buhlen. Peinlich genau achtet sie darauf, ihre Hautfarbe nicht zu thematisieren. Sie wolle sich um alle Menschen kümmern, sagt sie, gleich welchen Geschlechts und welcher Herkunft. Erster Gratulant in der Wahlnacht in Salt Lake City: ihr Vater. (Florian Niederndorfer, DER STANDARD, 7.11.2014)

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    foto: ap photo/rick bowmer
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