Unruhen auf dem Tempelberg: Ärger in Amman

Kommentar6. November 2014, 17:17
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Wenn es zu einer neuen Intifada kommt, wäre das eine Katastrophe, auch für die Palästinenser, deren berechtigte Anliegen durch Gewalt wieder als delegitimiert gelten würden

Zwanzig Jahre nach seinem Abschluss wird der israelisch-jordanische Friedensvertrag, der so viele Nahostkrisen schadlos überstanden hat, in Amman erstmals hinterfragt. Jordanien, das eine Schutzmachtfunktion über die islamischen sakralen Stätten in Jerusalem innehat, ist empört über die Aktivitäten von jüdischen Rechtsradikalen auf dem Tempelberg. Und auch wenn die israelische Regierung nicht hinter ihnen steht, so tut sie nicht nur in den Augen der jordanischen Führung zu wenig, um sie zu verhindern.

Der Rückruf des jordanischen Botschafters aus Tel Aviv erfolgte nach einem Treffen des jordanischen Außenministers Nasser Judeh mit seinem US-Amtskollegen John Kerry: Das heißt, dass die USA die Jordanier nicht zur Mäßigung überreden konnten - oder auch wollten. Wenn Jordanien seine Versuche vorantreibt, eine präsidentielle Erklärung im Uno-Sicherheitsrat zu erreichen, dann kann sich Israel darauf verlassen, dass die USA eine Verurteilung der palästinensischen Attacken auf Israelis hineinreklamieren werden. Aber das kann nicht über die US-Verärgerung über die jüngsten israelischen Baupläne hinwegtäuschen. Kerry wiederholt wie ein Mantra, dass der Status quo nicht haltbar ist. Wenn sich dessen Veränderung in einer neuen Intifada niederschlägt, wäre das eine Katastrophe - auch für die Palästinenser, deren berechtigte Anliegen durch Gewalt wieder als delegitimiert gelten würden. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 7.11.2014)

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